Victor/Victoria
Handlung
Die arbeitslose Opernsängerin Victoria Grant lernt bei einem erfolglosen Vorsingen 1934 in Paris den homosexuellen Chanson-Sänger Carol Todd kennen. Nachdem diesem kurz darauf ebenfalls gekündigt wird, suchen die beiden nach einer Möglichkeit, möglichst schnell und viel Geld zu verdienen. Ihre Idee: Victoria als Mann auszugeben, der vorgibt, eine Frau zu sein. Tatsächlich schlägt der erschaffene „Victor“ in den Nachtclubs von Paris ein wie eine Bombe. Kompliziert wird es allerdings, als Gangstergröße King Marchand gefallen an Victor/Victoria findet und einen Schwindel ahnt.
Auch Victoria hegt Gefühle für ihren Verehrer und vertraut sich ihm schließlich an. Die beiden könnten nun ein glückliches Paar sein, wenn King Marchand nicht ein großes Problem damit hätte, für die Außenwelt und seine Gangsterkollegen als schwul zu gelten.
Meinung
Der Film „Victor/Victoria“ ist ein Remake des deutschen UFA-Tonfilmes „Viktor und Viktoria“ aus dem Jahre 1933. Die Aufarbeitung und Neuinszenierung des Stoffes hat Regisseur Blake Edwards sehr liebevoll vorgenommen und der Geschichte und den Figuren eine ordentliche Portion Frische und Leichtigkeit mitgegeben. Schnelle Wortwechsel und amüsante Ideen im Drehbuch und bei der Umsetzung führen uns durch den Film, der mit einer erstaunlichen Unaufgeregtheit das Thema der Homosexualität in den frühen 30er Jahren aufgreift.
Mit besonders viel Humor werden uns die Schwierigkeiten der Beziehung zwischen Victoria und Gangster King gezeigt, der sich so viel Mühe gibt, Victoria in der Öffentlichkeit als „Victor“ anzuerkennen und dabei häufig über seinen männlichen Schatten springen muss.
Es leuchet ein, dass Paris als Schauplatz dieser Geschichte Sinn macht, da wir uns in dieser Stadt die Freizügigkeit, die in dem Film angedeutet wird, in den 30er Jahren vorstellen können. Allerdings wirken die Darsteller selbst nicht sehr französisch, der gesamte Look des Filmes lässt uns als Handlungsort eher die Vereinigten Staaten vermuten. Der Gesang von Victoria als „Victor“ ist ebenfalls eindeutig als Frauenstimme zu erkennen und schließt eine Verwechslung eigentlich aus. Darum wirkt die Täuschung des gesamten Pariser Publikums als eher unglaubwürdig. Insgesamt hat Regisseur Edwards sehr stimmige, sympathische Charaktere geschaffen, die nachvollziehbar denken und handeln. Und trotz der männlichen Verkleidung ist Protagonistin „Victoria“ eine emanzipierte Frau der 30er Jahre.
Mit Tempo, Witz und Musik.
Viktoria/Victor Grant: Julie Andrews
Carol Todd: Robert Preston
King Marchand: James Garner
Regie: Blake Edwards | USA, Großbritannien, 1982
Länge: 129 min | FSK: ab 12 | Buch: Blake Edwards | Kamera: Dick Bush | Ton: Roy Charman | Szenenbild: Tim Hutchinson | Schnitt: Ralph E. Winters | Musik: Henry Mancini | Produktion: Peerford Limited

