The Football Factory
Handlung
Das Leben des Blumenverkäufers Tommy Johnson macht erst an den Wochenenden einen Sinn. Da trifft er sich mit seinen Fußballfreunden, trinkt Unmengen von Alkohol, nimmt Drogen und fährt zu den Spielen seines Lieblingsvereins FC-Chelsea. Doch das Beste am Wochenende sind für Tommy die Prügeleien mit den Hooligans der gegnerischen Mannschaften. Diese Begegnungen außerhalb der Stadien werden von den Firmen, wie sich die Hooligangruppen nennen, geradezu zelebriert. Von ihrem Anführer und Strategen Harris, über den leicht reizbaren Billy, welcher gerne Harris Position einnehmen würde, bis hin zu dem jugendlichen Kleinganoven Zeberdee ist die Firma für Tommy fast wie eine Familie. Doch kurz vor dem großen Spiel gegen ihren Erzrivalen FC-Millwall befallen Tommy Albträume. Verprügelt und blutüberströmt kommt ein Junge auf ihn zu, dessen Gesicht von Bandagen umhüllt ist und der sich ihm als Toter vorstellt. Zudem tauchen überall Botschaften wie „Ist es das wert
Tom?“ und „Denk darüber nach Tom“ auf, welche ihn den Sinn seines Lebens in Frage stellen lassen. Auch sein bester Freund Rod scheint sich einem ruhigeren Leben zuzuwenden und Tommys Großvater versucht ihn schon lange von den Schlägereien abzubringen.
Trotz dieser Zweifel fährt Tommy mit zu dem Spiel gegen Millwall und somit zu einer der größten Massenprügeleien des Jahres. Wie in seinem Traum vorhergesehen wird er schwer verprügelt und überlebt den Angriff nur knapp. Doch sobald er aus dem Krankenhaus entlassen wird, humpelt Tommy auf Krücken zu seinen Freunden und beantwortet die selbst gestellte Frage, ob es das alles wert gewesen wäre, mit einem eindeutigen „Ja!“.
Meinung
Die britische Produktion „The Football Factory“ beginnt mit dem einleitenden Satz: "Von Fußball-Hooligans verprügelt zu werden, ist wie eine Blutvergiftung: Es tut weh ohne Ende, aber das macht es so aufregend!" Und nach diesem Motto ist der gesamte Film unter der Regie von Nick Love aufgebaut worden. Es mag sein, dass Nick Love versucht hat, einen möglichst wirklichkeitsnahen Film über die gewaltbereiten englischen Hooligans zu drehen. Die Anfangsszenen zeigen dokumentarische schwarz-weiß Aufnahmen von Kämpfen nach oder während eines Fußballspiels. „The Football Factory“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von John King und will die harte Realität eines Hooligans aus dessen eigener Sicht dem Zuschauer zugänglich machen.
Doch dabei hat Nick Love es mit der Authentizität ein wenig zu gut gemeint. Auf ein Fußballspiel kann man in dieser 90minütigen Gewaltdarstellung ebenso wenig hoffen, wie auf Einsicht der Hauptcharaktere gegenüber ihrer mehr als fragwürdigen Lebenseinstellung. In Ansätzen flackert der Versuch auf, diese Aggressionen zu hinterfragen und die dahinführenden Lebensumstände aufzuzeigen. Billy Brights Kindheit mit einem rassistischen Vater kurz in Szene zu setzen, ist jedoch ein wenig dürftig als Erklärungsversuch für die hochpotenzierte Gewaltbereitschaft in diesem Film. So verschwinden die Gründe hinter hirnlosen Drogenexzessen und einer sinnlosen Gewaltverherrlichung. Zudem kommt, dass die Prügeleien, besser gesagt die Folgen davon, äußerst unrealistisch präsentiert werden. So kann jemand, der mit einem Cricket-Schläger auf den Kopf geschlagen worden ist, am nächsten Tag mit einer einfachen Bandage das Leben wieder genießen. Und die Mitglieder der Firma sind nach einer Prügelei reichlich wenig bis gar nicht von Verletzungen gezeichnet.
Diese Darstellungen dienen höchstens dazu, Gewalt und Brutalität zu beschönigen. Die Konsequenzen werden kaum aufgezeigt und stattdessen als akzeptabel hingestellt. Da ist die amerikanische Version „Hooligan“ von 2005 empfehlenswerter als sein britisches Pendant. Den Versuch, diese Lebensweise aus der schonungslosen Sicht eines Hooligans darzustellen, in aller Ehre, aber ein wenig mehr Einfühlungsvermögen wäre der Handlung durchaus zuträglich gewesen.
Brutal und sinnlos.
Tommy Johnson: Danny Dyer
Harris: Tony Denham
Billy Bright: Frank Harper
Zeberdee: Roland Manookian
Rod: Neil Maskell
Bill Farrell: Dudley Sutton
Regie: Nick Love | Großbritannien, 2004
Länge: 91 min | FSK: ab 16 | Buch: Nick Love | Kamera: Damiam Bromley | Szenenbild: Paul Burns | Schnitt: Stuart Gazzard | Musik: Ivor Guest | Produktion: Allan Niblo, James Richardson, Rupert Preston, Robert Blagojevic, R* Games

