Szenen einer Ehe


Handlung

Es ist die Geschichte der nach und nach auseinanderfallenden Beziehung von Johan und Marianne. In einem Interview sprechen die zwei über ihre glückliche Beziehung. Doch es gibt immer mehr kleine Streitigkeiten, Probleme im Bett, mit Mariannes Ordnungsfimmel und Johans emotionaler Kälte. Schließlich eröffnet Johan seiner Frau, dass er schon seit langem eine Affäre hat und sich von ihr trennen wird. Doch damit ist ihre Beziehung noch nicht beendet.


Die beiden treffen sich wieder und wieder, sogar nach der Scheidung. Ihre Liebe stirbt niemals völlig, und so beenden sie ihre Affäre selbst dann nicht, als sie beide neu verheiratet sind.

Meinung

Bergman hatte "Szenen einer Ehe" zunächst als sechsteilige Fernsehserie gedreht. Nach der Fertigstellung entschloss er sich, die 300-minütige Fassung um knapp die Hälfte herunterzukürzen und den Film so auch ins Kino zu bringen. Auf spektakuläre Bilder hat Bergman verzichtet. Er schildert die Liebe und Selbstzerfleischung von Marianne und Johan konsequent in Innenräumen, gedreht auf körnigem 16mm-Material und matten Farben, er zeigt keine Totalen und bevorzugt lange Nah- und halbnahe Einstellungen. Bis auf zwei Episoden am Anfang besteht der gesamte Film nur aus Zweierszenen zwischen Marianne und Johan.

Dass das nicht langweilig wird, sondern im Gegenteil von der ersten bis zur letzten Minute ungeheuer spannend ist, verdankt sich der atemberaubenden Intensität und Präzision des Schauspiels von Liv Ullmann und Erland Josephson. Immer wieder erörtern sie ihre Beziehung, drehen und wenden sie, gewinnen neue Erkenntnisse, reiben sich aneinander, quälen sich, wollen zueinander und voneinander weg – und doch bleibt ihr Schicksal unwiderruflich aneinander gekettet. Gerade die Dauer der einzelnen Szenen macht die Faszination des Films aus. Die Szenen scheinen nicht enden zu wollen, immer tiefer bohrt sich Bergman in das seelische Leben seiner beiden Figuren. Keine Einigkeit ohne Streit, und kein Hass ohne Versöhnung. Dabei ist es nicht so, dass Bergman die bürgerliche Herkunft von Marianne und Johan als Schreckgespenst an die Wand malt, das den Menschen in Konventionen erstarren lässt, wie er es mitunter in anderen Filmen getan hat. Die beiden sind zwar gefangen in ihren Konventionen, aber sie erleben auch immer wieder Momente intensiven Glücks und großer Liebe.


Nach und nach befreit sich Marianne von Johan, gerade auch in sexueller Hinsicht, aber dadurch merkt sie nur umso stärker, dass er der Mann ihres Lebens ist. Und auch Johan erkennt, dass er, wenn er denn überhaupt lieben kann, in seinem Leben dieses Gefühl nur bei ihr haben wird.


Auch Liv Ullmann hat dieser Film nicht losgelassen: Ein Vierteljahrhundert später stieg sie selbst in den Regiestuhl und drehte nach einem Drehbuch von Ingmar Bergman die Quasi-Fortsetzung "Die Treulosen".

Die Mutter aller Ehe-Dramen.

von Logolt



Marianne: Liv Ullmann
Johan: Erland Josephson

Katarina: Bibi Andersson
Peter: Jan Malmsjö

Regie: Ingmar Bergman | Schweden, 1973

Länge: 168 min | FSK: ab 16 | Buch: Ingmar Bergman | Kamera: Sven Nykvist | Szenenbild: Bjorn Thulin | Schnitt: Siv Lundgren | Produktion: Lars-Owe Carlberg, Ingmar Bergman