Sleepers
Handlung
Shakes, John, Tommy und Michael sind beste Freunde, ihre Familien leben alle in den 60er Jahren in der Westside von Manhattan, "Hell's Kitchen" genannt. Durch einen dummen Streich verletzen sie versehentlich einen Passanten und müssen mit ihren 13 Jahren wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht. Das Urteil: Ein Jahr Haft in dem Wilkinson-Heim für Jungen, einer Jugendbesserungsanstalt. Und dort herrschen rauhe Töne. Die Aufseher, besonders der fiese Sean Nokse, behandeln die Jugendlichen wie Sklaven, sie werden gedemütigt, geschlagen und nachts in den hintersten Kellerräumen vergewaltigt. Aus Scham haben Shakes und seine Freunde ihren Eltern verboten, sie zu besuchen. Nur ihr Freund Pater Bobby lässt sich von diesem Verbot nicht abhalten.
Jahre später arbeitet Shakes bei der Zeitung, Michael ist bei der Staatsanwaltschaft und John und Tommy töten für ihr Geld. Als sie ihren ehemaligen Peiniger Nokse wieder treffen, beginnen sie einen Rachefeldzug gegen ihn und die anderen ehemaligen Aufseher des Wilkinson-Heims.
Meinung
Der Film "Sleepers" ist in zwei von der Qualität her unterschiedliche Hälften unterteilt. Die knappe erste Hälfte des Films erzählt von der Kindheit der vier Freunde in ihrem Viertel, von der Verurteilung und ihrem schrecklichen Aufenthalt im Wilkinson-Heim für Jungen. Dabei wird die zu Beginn unbeschwerte Zeit, das Gefühl von Kindheit, sehr schön vermittelt, wir spüren die Leichtigkeit ihres Seins. Um so schwerer wiegt der radikale Einschnitt in das Leben der Jungen, als sie zu der Haftstrafe verurteilt werden. Noch stärker im Kontrast zu ihrer früheren Unbeschwertheit steht die furchtbare Zeit im Wilkinson-Heim. Gerade durch diesen Kontrast werden wir noch mehr von den schrecklichen Ereignissen in diesem Heim mitgenommen, die von Regisseur Barry Levinson packend bebildert worden sind.
Die zweite Hälfte des Films zeigt uns die vier Freunde als Erwachsene, die die Erlebnisse von damals verdrängt und nicht verarbeitet haben. Als sie eine Chance auf Rache sehen, nehmen sie diese wahr. In dieser Hälfte verliert der Film leider an Intensität, die Dialoge wirken gestellt, die Geschichte des Rachefeldzugs wird künstlich dramatisiert. So inszeniert Levinson den Erwachsenen-Teil zu pathetisch, zu melodramatisch, der harte und schreckliche Inhalt hätte für ein beklemmendes Gefühl beim Zuschauer genügt. Auch der starke Zusammenhalt in dem Ausländer-Viertel "Hell's Kitchen" wird unangenehm glorifiziert, die Verhandlung vor Gericht mit den viel zu schnell einknickenden Zeugen und Aufsehern ist von einer realitätsnahen Inszenierung weit entfernt.
Und auch die Meinung, dass ein Mord auf Grund einer schrecklichen Vergangenheit straffrei bleiben sollte, ist sehr fragwürdig. Freuen tut man sich aber über Robert DeNiro in der Rolle des Paters, in der er endlich einmal einen sympatischen Charakter spielen kann.
Solide erzähltes Rachedrama mit fraglicher Moral.
Pater Bobby: Robert De Niro
Sean Nokes: Kevin Bacon
Junger Shakes: Joseph Perrino
Junger Michael: Brad Renfro
Junger John: Geoffrey Wiqdor
Junger Tommy: Jonathan Tucker
Shakes: Jason Patric
Michael: Brad Pitt
John: Ron Eldard
Tommy: Billy Crudup
Regie: Barry Levinson | USA, 1996
Länge: 135 min | FSK: ab 12 | Buch: Barry Levinson, Lorenzo Carcaterra | Kamera: Michael Ballhaus | Ton: Dennie Thorpe | Szenenbild: Robert Topol | Schnitt: Stu Linder | Musik: John Williams | Produktion: Propaganda Film, Baltimore Pictures

