Same same but different
Handlung
Liebe verkaufen ist das Einzige, was die junge Sreyeko anbieten kann, um ihre Familie über Wasser zu halten. Ein Geschäft, welches sie letztendlich das Leben kostet. Der junge Ben lernt das Mädchen auf einer Reise durch Thailand kennen und beginnt ein Verhältnis mit ihr. Da ahnen beide noch nicht, dass Sreyeko HIV-positiv ist. Ben reist wieder nach Deutschland und lässt die kränkelnde Sreyeko in Thailand zurück. Nachdem Sreyeko von ihrer Erkrankung erfährt, erzählt sie auch Ben davon.
Bens eigener AIDS-Test fällt negativ aus. Dennoch zieht es ihn zurück zu seiner Freundin.
Der junge Journalist reist auf Firmenkosten nach Kambodscha zurück, angeblich, um eine Hotelreportage zur verfassen, tatsächlich, um Sreyeko wiederzusehen.
Meinung
Oder: Angeblich, um Sreyeko wiederzusehen, weil diese tiefe Liebe sich im Kino so gut verkaufen lässt, tatsächlich, weil Ben eine lukrative Geschichte wittert. „Ich kann doch nicht so einfach hinfahren und dann mit unserer Story einfach abcashen.“ Und ob Ben das kann. Der reale Benjamin Prüfer, Autor der Romanvorlage zu „Same same but different“ tat es jedenfalls. „Das ist das Letzte“, sagt Ben im Film. Allerdings. Noch abstoßender wirkt die skrupellose Ausbeutung, insbesondere in der alltäglichen Problematik des Sextourismus und der Jugendprostitution, dadurch, dass Buck sie in einen jugendtauglichen Liebesfilm verpackt. Sreyeko ist HIV-positiv, von wem anderes als einem Freier, wie es auch ihr Freund Ben im Grunde ist? So will es „Same same but different“ natürlich nicht sehen. Seelenverwandt, wie es der Titel vermittelt, sei das junge Paar. So unterschiedlich und dennoch gleich. „AIDS, gefallenes Mädchen, damit kannst du richtig absahnen.“ Die verräterischen Worte legt Regisseur Detlev Buck einem Freund seines Hauptcharakters in den Mund. Richtig abgesahnt haben an der wahren Geschichte einer HIV-positiven kambodschanischen Prostituierten und ihres deutschen Freundes gleich mehrere: Benjamin Prüfer, der nach seinen Erlebnissen in Kambodscha die Romanvorlage zu „Same same but different“ verfasste, Regisseur Detlev Buck, der das Buch verfilmte und David Kross, der zu Bucks Hausdarsteller zu avancieren scheint. Jeder beutet das Elend der Betroffenen auf seine Art aus, aber alle in der gleichen dreisten Manier - „Same same but different".
Dabei bedient sich Regisseur Detlev Buck primitiver Schnulzendramatik. Seufzt eine schmelzende Frauenstimme „Je t´aime“ zu schwelgerischer Musik, während Ben und Sreyeko im Mondlicht tanzen, muss es die große Liebe sein, oder? Durch ihre Fragen nach Geld und ihre Promiskuität wird Sreyeko als zweifelhaft charakterisiert. Ben erstrahlt als ihr Retter in der Not. Kein Zufall, bedenkt man, dass es Prüfer selbst war, der die Beziehung zu Sreyeko zum Roman verarbeitete. Die Doppelmoral ist eklatant durch die Lebensumstände der Figuren: Sreyeko ist zu ihrem Verhalten aus sozialer Not gezwungen, Ben hingegen genießt einen wilden Urlaub mit sexuellen Abenteuern. Nicht nur seine Hauptfigur rückt Buck in ein verklärendes Licht. Hübsch sehen die Kerle nicht aus, die für ein paar Euro Sex mit Kindern oder Jugendlichen suchen, doch in „Same same but different“ sind sie alle grundanständig. Brutalität und Entbehrung der Bevölkerung verleugnet „Same same but different“. Das marode Phnom Penh wird zur exotischen Kulisse, die Landesgeschichte in einem geschmacklosen Witz über die „Killing Fields“ verspottet.
Ein kleines Mädchen bewundert Sreyeko nach deren Erkrankung in einer vielsagenden Szene für ihre Schönheit, als habe die HIV-Infektion sie attraktiver gemacht. Aus dem Westen kommt nur Gutes: Urlaub in Kambodscha – hart mitanzusehen, aber, so ist das Leben, Kleiner. Vergiss nicht, eine Ehefrau einzupacken. Ja, die Dead Kennedys konnten ein Lied von der Arroganz und Ignoranz im Stil von „Same same but different“ singen. Vielleicht dreht „Buck“, wie der Regisseur sich auf dem Filmplakat nennt, nach deren Anleitung noch schneller Massenunterhaltung.
Urlaub in Kambodscha.
Ben: David Kross
Sreyeko: Apinya Sakuljaroensuk
Alex: Michael Ostrowski
Henry: Jens Harzer
Regie: Detlev Buck | Deutschland, 2009
Länge: 100 min | FSK: ab 12 | Buch: Ruth Thoma, Detlev Buck | Kamera: Jana Marsik | Szenenbild: Udo Kramer | Musik: Konstantin Gropper | Schnitt: Dirk Graul, Jeanette Würl | Produktion: Claus Boje, Sonja Schmitt

