Rushmore


Handlung

Der Zehntklässler Max Fischer ist an der prestigeträchtigen „Rushmore Academy“ der prominenteste Schüler. Der intellektuelle Teenager engagiert sich in allen erdenklichen außerunterrichtlichen Aktivitäten – er schreibt für die Schülerzeitung, deren Herausgeber er ist, ist Präsident des Bienenzüchtervereins und leitet den Theaterclub, für den er ständig neue Stücke verfasst – um nur einige zu nennen. Bei so viel Engagement bleiben die schulischen Leistungen auf der Strecke und Max steht vor einer gefährdeten Versetzung. Als er sich dann noch in die junge Lehrerin Rosemary Cross verliebt, gerät seine Welt völlig aus dem Gleichgewicht. Um die Hobby-Aquarianerin, deren Mann kürzlich verstorben ist, zu beeindrucken, plant er gemeinsam mit seinem Freund und Mentor, dem schwerreichen Unternehmer Herman Blume, eine Aquariumanlage auf dem Baseball-Feld der Highschool zu bauen. Doch Blume verliebt sich ebenfalls in Misses Cross und der Wettkampf um die Gunst der Lehrerin beginnt. Zerschrottete Fahrräder, eine Bieneninvasion und ein umstürzender Baum säumen das Kriegsfeld der Buhlenden.


Am Ende wird Max vernünftig und lässt Blume den Vortritt. Und schließlich findet auch er sein Glück, und zwar in der Gestalt seiner Mitschülerin Margaret.

Meinung

Nicht nur Rebellen und Mauerblümchen werden irgendwann erwachsen, sondern auch Intellektuelle. Bei Wes Andersons erster Arbeit nach seinem von der Kritik gefeierten Debütfilm "Bottle Rocket" handelt es sich um eine „Coming of Age“-Story der etwas anderen Art. Das Drehbuch zu "Rushmore" schrieb Anderson zusammen mit Owen Wilson, die sich am College kennenlernten und später auch für "The Royal Tenenbaums" und "Die Tiefseetaucher" zusammenarbeiteten.

"Rushmore" ist ein Film über das Erwachsenwerden, die Liebe und Eifersucht. Das sind die zentralen Themen, und nur selten werden sie im amerikanischen Kino so frisch und unterhaltsam und zugleich so anrührend aufbereitet wie in Andersons Komödie. Auch die Schattenseiten des Erwachsenwerdens, wie das Scheitern von Freund- und Liebschaften und das Begreifen, dass alles vergänglich ist, auch man selbst, werden thematisiert. Der Film stellt die Fragen, auf die wir alle eine Antwort suchen und bekommt dabei fast eine philosophische Dimension. Dabei behält "Rushmore" stets eine leichtfüßige positive Grundstimmung (auch dank der Musik) und driftet nie ins Schwermütige ab – eher schippert er in dem skurrilen Fährwasser von Hal Ashbys "Harold und Maude".

"Rushmore" strotzt vor skurrilen Einfällen, und zwar nicht nur in der Handlung sondern auch in der Filmsprache. So wird zum Beispiel jeder Akt mit einem sich öffnenden Vorhang eingeleitet, der uns den Blick auf das „Absurde Theater“ frei gibt - das nächste Kapitel in Max Fishers Leben. Oder man sieht eine Unterwasser-Aufnahme von Blume, der an die berühmte Pool-Szene aus Mike Nichols "Die Reifeprüfung" erinnert. Diese kleinen Details heben Andersons Werk aus der Masse der High-School-Komödien hervor.

Auch die Charaktere des Films sind eher untypisch für sein Genre, allen voran die Hauptfigur Max Fisher. Er ist weit davon entfernt, dem Klischeeteenager des High-School-Films zu entsprechen. Der überambitionierte Schüler mit dunkler Hornbrille würde höchstens als der Sidekick von Jemandem durchgehen, aber nie als Held. Doch wer genug hat von den hyperaktiven aalglatten High-School-Musical-Teenies, die fröhlich vor sich her pubertierend über die Leinwand tanzen, dem sei "Rushmore" ans Herz gelegt. Hier hat man die Gelegenheit, eine wohltuende Gegenstimme zu vernehmen – Tanzt ihr nur, ich gründe einen Verein für Drachensteiger. Gerade das Andersartige, das „Aus-der-Reihe-Tanzen“, macht den Film sympathisch.

Getragen wird der Film von den herausragenden schauspielerischen Leistungen von Jason Schwartzman, der als Max Fischer durch seine minimalistische Mimik überzeugt und von Bill Murray, der hier die - fast mit einem Oscar gekrönte - Darstellung des „Midlife-Crisis“-gebeutelten Lakonikers für "Lost in Translation" einübt, könnte man meinen.

Neben atmosphärischen Eigenkompositionen von Ex-„Devo“-Sänger Mark Mothersbaugh besticht der kongeniale Soundtrack von "Rushmore" durch seinen Musikmix, der stark von der „British Invasion“ beeinflusst ist. John Lennon gibt „Oh Yoko“ zum Besten und während die Kontrahenten Max und Blume sich gegenseitig bekriegen, singen im Hintergrund „The Who“ „You are forgiven“ – welch Ironie.

Ein übersehenes Meisterwerk des jungen amerikanischen Kinos.

von Markus Wuttke



Max Fischer: Jason Schwartzman
Rosemary Cross: Olivia Williams
Herman Blume: Bill Murray

Max Vater: Seymore Cassel
Dirk Calloway: Mason Gamble
Direktor: Brian Cox

Regie: Wes Anderson | USA, 1998

Länge: 93 min | FSK: ab 6 | Buch: Wes Anderson, Owen Wilson | Kamera: Robert Yeoman | Szenenbild: David Wasco | Schnitt: David Moritz | Produktion: Barry Mendel, Paul Schiff