Rita, Sue and Bob too
Handlung
Bob ist ein typischer Mittelständler der Thatcher-Ära: Eigenes Haus, eigenes Auto, Frau und zwei Kinder. Und weil das Sexleben des Ehepaars im Keller angekommen ist, sucht er sich jemand Anderes: Als er die zwei Schülerinnen Rita und Sue, die seine Kinder babysitten, nach Hause fährt, legt er Eine nach bzw. neben der Anderen im Auto flach. Diese beiden fühlen sich jedoch mitnichten missbraucht, sondern suchen von nun ab jede Gelegenheit für den nächsten Sex.
Damit beginnt die Vierecksbeziehung, in deren Verlauf Bobs Frau mit den Kindern abhaut, Rita schwanger wird und bei Bob einzieht und Sue aus Eifersucht mit Rita bricht, um zum Schluss in einem grandiosen Happy-End mit Rita, Sue und Bob im Bett zu enden.
Meinung
"Rita, Sue and Bob too" steht in der Tradition der britischen realistischen Milieustudien, mit denen auch Ken Loach und Mike Leigh bekannt geworden sind. Die Thatcher-Ära ist omnipräsent, die Familie von Sue ist so hoffnungslos asozial, wie man es aus deutschen Filmen nicht kennt. Gleichzeitig ist dieser Film sehr sehr komisch. Die drei Hauptfiguren haben nur eins im Kopf, und das ist nicht Liebe, sondern Sex. Bob verführt die beiden Minderjährigen so unglaublich schmierig und Sue ist eifersüchtig auf ihre Freundin Rita, weil die öfter Sex mit Bob hat.
Alan Clarke hat neben vielen Fernsehfilmen auch Kinofilme gemacht, neben dem hier Besprochenen unter anderem auch den Hooligan-Film "The Firm" mit Gary Oldman. Hierzulande ist Alan Clarke kaum bekannt, seine Filme sind kaum greifbar. Sein vielleicht bekanntester Film ist der 40-minütige "Elephant", in dem 18 unzusammenhängende Morde mit minimalem Dialog und in langen Plansequenzen einfach aneineangergehängt werden. Gus van Sants "Elephant" lehnt sich an diesen Film an.
Auch in "Rita, Sue and Bob too" gibt es immer wieder extrem lange Plansequenzen durch verschiedene Räume und Stockwerke mit der Steadycam. Das gibt dem Film einen sehr dichten Rhythmus. Dazu sind die Schauspieler ausnahmslos sehr gut geführt. Besonders die beiden jungen Mädchen, gespielt von Michelle Holmes und Siobhan Finneran, offenbaren eine solch lebendige Wahrhaftigkeit, die dem Film einen äußerst starken Sog verleihen. Die immer wieder heftigen und obszönen Dialoge sind nie aufgesetzt, und Clarke verliert nie die Sympathie für seine "asozialen" Figuren, die immer ihre ganz eigene Würde behalten: Bob beklagt sich bei seiner Frau über miserablen Sex mit der Aufforderung "Just enjoy it!"; Rita springt wie eine Prinzessin herum, als sie und Bob in einer leeren Wohnung in ein fremdes Bett hüpfen, und ihr das Ambiente wie das Paradies erscheint; Sue ist immer wieder so fröhlich und extrovertiert, dass man sich immer wieder mitreißen lässt und ihr von ganzem Herzen wünscht, sie möge doch endlich mal wieder bei Bob landen. Und schließlich – ist der Film einfach umwerfend komisch und beste Unterhaltung!
Bissige Komödie aus Thatcher-England.
Bob: George Costigan
Sue: Michelle Holmes
Rita: Siobhan Finneran
Regie: Alan Clarke | Großbritannien, 1986
Länge: 94 min | Buch: Andrea Dunbar | Kamera: Ivan Strasburg | Szenenbild: Len Huntingford | Schnitt: Stephen Singleton | Produktion: Oscar Lewenstein, Sandy Lieberson

