Peter's Friends
Handlung
Peter lädt seine alten Studienfreunde, die das letzte Mal vor zehn Jahren im College alle zusammen waren, in sein frisch vom Vater geerbtes Anwesen ein, um in gemütlicher Runde dem Silvesterabend entgegen zusehen. In zehn Jahren ist viel passiert. Das Leben hat Spuren hinterlassen, die Freunde mussten mit Schicksalsschlägen und geplatzten Träumen fertig werden. Maggie hat noch immer nicht den richtigen Mann gefunden – vielleicht ist es ja Peter – Andrew ist in Amerika und schreibt Drehbücher für eine drittklassige Sitcom, in der seine Frau Carol die Hauptrolle spielt und Roger und Mary traf der Tod ihres Sohns hart. Im Laufe des Wochenendes wird viel miteinander geredet, gestritten, gelacht und geweint.
Maggies Versuch, sich Peter anzunähern, ist zum Scheitern verurteilt, da dieser ihr offenbart, dass er nicht „in der Vaginaabteilung arbeite“. Am Ende verrät Peter seinen Freunden den Grund für die Einladung: Er ist HIV-positiv.
Meinung
„When I was a kid, I had two friends, and they were imaginary and they would only play with each other”, so ein Witz von Rita Rudner aus ihrem Comedy-Programm “Born to be Mild”. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin Bergmann hat die US-Komikerin das wunderbare Drehbuch zu “Peter's Friends” geschrieben. Ihre Affinität zu One-Liners zeigt sie auch hier. Beinahe so unterschwellig wie ein Woody Allen in seinen besten Jahren streut sie die Gags in die Komödie. Sie wirken nie gezwungen oder einstudiert, sondern ergeben sich natürlich aus den Gesprächen der Figuren – so schlagfertig wie Peter und seine Freunde möchte man manchmal sein. Rudner und Bergmann verleihen unter der komischen Oberfläche ihren Figuren aber auch Tiefe. Es gelingt der schwierige Spagat zwischen Komik und Tragik, was vorrangig an der Authentizität der Charaktere liegt.
Peters Freunde sind nicht imaginär, sondern real – es sind Menschen mit realen Macken und realen Problemen. Menschen, die man aus dem Leben kennt, die eventuell zum eigenen Freundeskreis gehören. Da ist die ungeküsste Maggie, das Paar, das ein Kind verloren hat, Sarah, die nicht erwachsen werden möchte und sich von Beziehung zu Beziehung hangelt und der begabte Autor, der sein Talent vergeudet. Ein wenig aus diesem Raster fällt die amerikanische Ehefrau. Ihre Figur ist klischeebeladen und oberflächlich – was wiederum erstaunlich gut zu ihrem Charakter passt. Sie liefert gerade dadurch ein willkommenes Gegengewicht zu dem distinguierten Britischen, das sie durch ihre unverhohlene Art herrlich konterkariert. Rudner, die sie spielt, hat sich eine Comedyrolle auf den Leib geschrieben, in der sie ihr komisches Potential voll ausschöpft, wer kann es der Komikerin verdenken.
Kenneth Branagh, der die Regie bei dem Projekt übernahm, arbeitet mit einer ruhigen Kameraführung, oft mit weiten Einstellungen und mit Szenentableaus, die an Theater erinnern und dem dialogreichen Drehbuch den passenden visuellen Rahmen geben. Im Hintergrund läuft ein poppiger Soundtrack, den man heute im Radio unter „Das Beste der 80er“ verbuchen würde. Lieder von "Springsteen", "The Pretenders" und "Queen" spiegeln besonders in den ersten dreißig Minuten des Films das freudige Wiedersehen mit alten Bekannten wieder.
Ein Film, der wie „Peter's Friends“ von der Ensembleleistung abhängt, ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Doch das ist bei diesem Film weniger bedenklich, denn die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg gut bis sehr gut. Stephen Fry hat seinen leicht exzentrischen Gentleman Peter genauso perfekt im Griff wie Emma Thompson ihre tragikomische Maggie. Auch Hugh Laurie, der hier zum ersten Mal seine ernste Seite zeigen konnte, Kenneth Branagh, Imelda Staunton und Tony Slattery als Sarahs vulgärer Liebessklave überzeugen. Dass die Schauspieler gut miteinander harmonieren, mag auch daran liegen, dass sie sich seit College-Tagen kennen. Fry und Laurie, die in den 80ern und 90ern zu einem der bekanntesten Komiker-Duos in England avancieren sollten, Thompson, Slattery und der Co-Autor Bergmann waren allesamt Mitglieder der Kabaretttruppe „Footlights“ in Cambridge. Hier wurden nicht einfach irgendwelche Schauspieler zusammengewürfelt, die sich erst am Set kennenlernten - und das spürt man. Die Freundschaft auf der Leinwand wirkt organisch und keineswegs blutleer.
Das Ende mag dem einen oder anderen Zuschauer vorhersehbar erscheinen, aber es nimmt nichts von seiner schockierenden Wirkung und seiner Emotionalität. Vor allem das abschließende Gespräch zwischen Peter und seiner Haushälterin Vera, mit viel Herz von Emma Thompsons Mutter Phyllida Law gespielt, ist ergreifend und zeigt einmal mehr, worauf es im Leben ankommt, nämlich Freundschaft und Vertrauen.
Freunde auf und vor der Leinwand.
Peter: Stephen Fry
Maggie: Emma Thompson
Andrew: Kenneth Branagh
Carol: Rita Rudner
Roger: Hugh Laurie
Mary: Imelda Staunton
Sarah: Alphonsia Emmanuel
Brian: Tony Slattery
Vera: Phyllida Law
Regie: Kenneth Branagh | Großbritannien, 1992
Länge: 97 min | FSK: ab 12 | Buch: Rita Rudner und Martin Bergman | Kamera: Roger Lanser | Szenenbild: Tim Harvey | Schnitt: Andrew Marcus | Produktion: Kenneth Branagh, Martin Bergmann

