New York, I love You
Handlung
Zwei Männer in Eile, zwei Ziele, ein Taxi. New York. Eine Straße weiter verführen die Polaroid-Fotos einer schönen Frau einen jungen Taschendieb dazu, ihr Herz zu stehlen. Eine jüdische Braut und ein streng gläubiger indischer Händler lassen im Diamond District Witz gleich Edelsteinen funkeln und entdecken die unorthodoxen Wege der Liebe. Ein Filmkomponist findet zu neuer Inspiration dank John Lennon, Dostojewski und einer Assistentin namens Camille. Eine Verabredung führt zu einem unerwarteten One-Night-Stand, ein One-Night-Stand führt zu einer unerwarteten Verabredung. Zu elegischer Musik trauert eine Opernsängerin um die Vergangenheit. Und ein Maler über die Ungreifbarkeit seiner zurückhaltenden Muse. Eine Dokumentarfilmerin fängt mit ihrer Kamera Momentaufnahmen der Momentaufnahmen ein. Die in Bruchstücke zerlegten Puzzelteile verschmelzen zu einer Filminstallation: „New York, I love You“.
Meinung
„New York, I love You“ zeigt alle Facetten New Yorks. Nicht des echten New Yorks, sondern der Vorstellung von der Metropole, wie sie unzählige Kinofilme geprägt haben. Teure Restaurants mit dem Flair von Szenebars, in denen sogar lange Verheirate ihre Liebe als amouröses Abenteuer erleben. Verirrt sich eine Prostituierte wie die kokette Maggie Q. vor eines dieser noblen Etablissements, wie in einer der beiden Episoden des israelischen Regisseurs Yvan Attal, sieht sie aus, als stünde sie gern auf den atmosphärisch ausgeleuchteten Straßen. Tagsüber spielen liebevolle Väter im Central Park mit ihren Kindern, nachts treffen sich dort junge Liebende. In der Subway blicken ältere Liebende gedankenvoll aus dem Fenster. Dass die U-Bahn rumpelt, dass die Straßen nicht so sauber gefegt sind wie in der Vorstadt, trägt nur zum unverwechselbaren Charme der Großstadt bei. Überall wartet die Liebe und fast immer siegt sie, denn heißt es nicht, New York sei die Stadt der Liebe? Nein, das war Paris. Doch den Regisseuren des Episodenfilms hat das keiner gesagt. Im Gegenteil war das Thema Liebe eine der Bedingungen, um an dem Filmprojekt mitdrehen zu dürfen. „Paris, Je t'aime“ gibt es auch schon. Der in der französischen Hauptstadt spielende Episodenfilm diente als Vorbild zu „New York, I love You“. So bewährt hat sich das filmische Konzept für die Produzenten, dass die Liebeserklärungen in und an Weltmetropolen zur Kino-Serie werden sollen. Als nächstes heißt es „Shanghai, -“ – vermutlich auch „I love You“. Wer kann schon chinesisch?
New Yorks Raucher, denen der Regisseur Wayne Wang in „Smoke“ und „Blue in the Face“ zwei filmische Hommages widmete, sind im New York nach Giuliani vor die Tür verbannt. Doch schon Feuer für eine Zigarette kann den Funken überspringen lassen. Und mit dem Wissen, gleich wieder in die elegante Bar zurückkehren zu können, friert es sich mit dem Glimmstengel in der Hand besonders schön. Statt greller Reklamen leuchten warme Fenster im geliebten New York, das auf der Leinwand mehr weihnachtlich denn winterlich wirkt. Von Schmutz und Elend keine Spur. Vielleicht entschied sich Produzent Emanuel Benbihy nicht für die üblichen New-York-Verdächtigen wie Woody Allen, Martin Scorsese oder Amos Kollek, weil ihre Werke die hässliche Seite der Stadt zeigen, ihre Kälte, Rohheit und Armut. 'Liebe' beinhaltet in „New York, I love You“ vor allem die Liebe zu der Stadt, wie sie der Titel ankündigt. Die Schattenseiten der Stadt werden ausgeblendet. Nichteinmal der Experimentalfilmerin der Filmhandlung gerät eine unerfreuliche Szene vor die Kamera. Ob aus dokumentarischer oder fiktiver Perspektive, kein unschönes Bild lässt sich in New York einfangen. Dabei gibt es in allen Großstädten nicht nur Unschönes, sonder richtig Hässliches. Der Kontrast des Abstoßenden, Tragischen und Wundervollen macht eine Großstadt wie New York erst zur facettenreichen Metropole. Ohne die düsteren Seiten fehlt die Kantigkeit, dies gilt auch für den unterhaltsamen, aber belanglosen Film. Sehenswert wird die romantische Tragikkomödie durch ihre herausragenden Darsteller. John Hurt, Andy Garcia, Julie Christie und Eli Wallach, letzter in einer Rolle, die wohl eine seiner letzten sein wird, verleihen „New York, I love You“ die Originalität, welche den Episoden meist fehlt.
Die Liebe kommt, die Liebe geht.
Taschendieb: Hayden Christensen
Junge Frau: Rachel Bilson
Braut: Natalie Portman
Diamantenhändler: Irrfan Khan
Komponist: Orlando Bloom
Camille: Christina Ricci
Dame im Hotel: Julie Christie
Alter Ehemann: Eli Wallach
Regie: Fatih Akin | USA, 2009
Länge: 103 min | FSK: ab 12 | Regie: Fatih Akin, Yvan Attal, Allen Hughes, Shunji Iwai, Wen Jiang, Joshua Marston, Mira Nair, Brett Ratner, Randall Balsmeyer, Shekhar Kapur, Natalie Portman | Buch: diverse | Kamera: Benoît Debie, Pawel Edelman, Michael McDonough, Declan Quinn, Mauricio Rubinstein | Szenenbild: Katya DeBear | Schnitt: Jacob Craycroft, Affonso Gonçalves, Mark Helfrich, Allyson C. Johnson, Craig McKay | Produktion: Emanuel Benbihy, Marina Grasic

