Mondscheintarif
Handlung
Cora Hübsch ist jung und attraktiv, eine Großstadtneurotikerin und sie wartet. Sie hat vor einiger Zeit den feschen Arzt Daniel kennen gelernt, war mit ihm aus, mit ihm im Bett, und jetzt müsste er anrufen, eigentlich. Denn laut Coras Freundin Jo muss ein Typ innerhalb von drei Tagen zurück rufen, sonst musst du ihn vergessen. Doch der dritte Tag neigt sich langsam dem Ende zu.
Meinung
Der Film „Mondscheintarif“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller und will uns mit edler Bildoptik in die hippe Welt der berufstätigen Großstadt-Single-Frauen entführen, welche sich nach der großen Liebe sehnen. Die Hauptdarstellerin spricht den Zuschauern direkt an und erzählt ihm von ihren Gefühle, was und wie in Bezug auf Männer in ihrem Leben passiert. Eine heitere Komödie sollte es werden, mit ein wenig Tiefgang gegen Ende, wenn die Hauptdarstellerin besonders leidet. Doch leider ist das, was der Film als witzig spritzige Dialoge verkauft, platt und steif und sehr unlustig. Und wie schon in manch anderer „Frauen-Komödie“ besser gesehen, stolpert die Hauptdarstellerin von einer Peinlichkeit zur nächsten, natürlich immer trendy gekleidet und hübsch anzusehen. Arbeiten sieht man sie fast nie, ihr einziger Lebensinhalt sind Männer und was diese von ihr halten, denn davon hängt ihr Selbstwertgefühl ab. Und wenn es ihr, wegen einem Mann natürlich, schlecht geht, dann flüchtet sie sich, natürlich, in Fressorgien. Würg.
Zwischen all den Klischees gibt es hin und wieder ein paar nette Einfälle. So fährt die Kamera, nachdem sich Cora auf ihrem Balkon Kopfhörer aufgesetzt hat und der Song „Weep“ von der Band Reamann erklingt, an der Hauswand entlang runter zum Bürgersteig und lässt eine Gruppe Männer näher kommen, es ist die Band Reamann mit singendem Frontmann. Gruschenka Stevens in der Rolle der Cora versprüht sehr viel Charme und ist das Beste, was dem Film passieren konnte. Leider kann aber auch sie über die Unglaubwürdigkeit der stereotypen Charaktere nicht hinweg täuschen. Denn Regisseur Ralf Huettner setzt seinen Schwerpunkt eindeutig bei der Bildästhetik und nicht bei der Ausarbeitung der Charaktere. Vielleicht war auch ein männlicher Regisseur bei so einer Ballung weiblicher Gefühle nicht die beste Wahl. Sein Bild der unsicheren und dabei in lustige peinliche Situationen geratene Frau, die gegen alle anderen Frauen außer ihre besten Freundin zickt, ist das Gegenteil von Emanzipation und hinterlässt gerade deshalb einen unangenehmen Nachgeschmack.
Und auch der Wille der Protagonistin Cora am Ende des Films, von nun an ihr wahres Ich zu zeigen und zu sagen, was sie denkt und fühlt, kann uns nur ein wenig versöhnlich stimmen, denn dazu ist ihre Veränderung nicht konsequent genug. Trotzdem, wer es schafft „Mondscheintarif“ völlig unkritisch anzuschauen, dem könnte der Film amüsante und kurzweilige Unterhaltung bieten.
Seichte Komödie in schicken Bildern.
Cora: Gruschenka Stevens
Daniel: Tim Bergmann
Jo: Jasmin Tabatabai
Regie: Ralf Huettner | Deutschland, 2001
Länge: 90 min | FSK: ab 12 | Buch: Silke Neumayer | Kamera: Tommy Wildner | Ton: Manfred Banach | Szenenbild: Ingrid Buron | Schnitt: Horst Reiter | Musik: Schallbau | Produktion: Hager Moss Film

