Max Manus


Handlung

Zuerst kommt es ihnen fast wie ein Abenteuer vor. Als die Nazis im Juni 1940 in Norwegen einmarschieren, beschließen der junge Max Manus und eine Gruppe seiner Freunde Widerstand zu leisten. Schnell lernen die jungen Männer, dass ihre Sabotageakte für sie tödliche Konsequenzen haben, sollten sie erwischt werden. Doch Max ist im Kampf gegen die Nazis zu allem entschlossen. Es gelingt ihm, sich nach Schottland abzusetzen, um sich dort für den Widerstandskampf militärisch ausbilden zu lassen. Nach seiner Rückkehr nach Oslo kann er mit Hilfe seiner Anhänger der Kriegsflotte der Nazis schwere Verluste zufügen. Die Faschisten begreifen, dass sie die norwegischen Freiheitskämpfer unterschätzt haben. Unter Leitung des GESTAPO-Offiziers Fehmer gehen die Faschisten schonungslos gegen die Saboteure vor. Doch Max lässt sich von seinem Plan, das Kriegsschiff 'Donau' zu sprengen, durch das hohe Risiko nicht abbringen.

Meinung

Wiederholt riskiert Max Manus im Widerstandskampf sein Leben, setzt sich extremen Risiken aus und begibt sich in Gefahr, um Zivilisten nicht zu gefährden. Viele seiner Freunde werden getötet, auf gefangen genommene Saboteure warten Folter und Hinrichtung. Das Regieduo Joachim Ronning und Espen Sandberg verpackt den Freiheitskampf des Titelcharakters und seiner Anhänger in dynamische Szenen. Die Darsteller spielen überzeugend, lediglich Ken Duken bleibt blass als Offizier Fehmer.

Das Szenenbild rekonstruiert das von den Faschisten besetzte Norwegen überzeugend und man spürt das Engagement der Filmemacher, dem bedeutenden Freiheitskämpfer gerecht zu werden, ohne ein von Klischees belastetes Heldenbild zu konstruieren. Dennoch lässt „Max Manus“ den Zuschauer unbeteiligt zurück. Zu einfach scheinen die Sabotageakte zu gelingen, zu gut gelaunt wirken die jungen Männer bei ihren Aktionen. In manchen Szenen wirken die Nazis wie trottelige Filmschurken. Den als Elektrikern verkleideten Saboteuren lässt ein Soldat höflich in ein Gebäude und nennt ihnen dazu noch den richtigen Fluchtweg. Der Widerstandskampf erscheint als spannendes Jugendabenteuer, nicht als die zermürbende, lebensbedrohliche Aufgabe, die er für die Beteiligten war. Dass ihre Aktionen mitunter fast spielerisch gelingen und anschließend fröhlich gefeiert wird, lässt die Widerstandskämpfer nicht heldenhaft erscheinen, sondern mindert ihre Leistung. Im Film sind die Nazis zwar präsent, besonders schrecklich sieht das Leben unter der Besatzung in „Max Manus“ jedoch nicht aus. Krankheit und Hunger sieht man in Oslo nicht. Der faschistische Terror beschränkt sich im Film auf das Vorgehen gegen Manus und seine Anhänger.

Während der 1914 geborene norwegische Freiheitskämpfer Max Manus in Deutschland in Vergessenheit geraten ist, zählt er in seinem Heimatland zu den Nationalhelden. So überrascht es, dass mit der Filmbiografie der Regisseure Ronning und Sandberg erst jetzt eine Großproduktion über den Widerstandskämpfer in die Kinos gelangt. Was Max Manus zum Kampf bewegte, kann die Filmbiografie nicht erklären. Bezeichnend ist, dass die einzige ergreifende Szene sich nach der Haupthandlung ereignet. Der Krieg ist zu Ende, Hitler ist tot, Manus ein hoch dekorierter Held. Da verkriecht er sich in seinem Zimmer, betrinkt sich und schreit schließlich heraus, dass er nicht weiß, was er tun soll. Er hat keine Ausbildung, kein Geld, keine Arbeit. Sein Lebensinhalt war der Widerstandskampf gegen die Nazis. Nun, da dieser Kampf überflüssig geworden ist, scheint auch er überflüssig. Manus war einer der Wenigen, der den Widerstandskampf überlebt hat. Nach dem Sieg begann für den Titelhelden ein anderer Kampf, ein Kampg gegen Alkoholprobleme und nervliche Zerrüttung. Bis zu seinem Tod ließen ihn die traumatischen Erlebnisse während der Kriegsjahre nicht mehr los. Überlebt zu haben, empfand Manus als Schuld. Diese Konflikte, welche den Titelcharakter nicht schwach sondern menschlich machen, deutet der Film nur in einem Schlusssatz an. Erst hier erkennt man, wie viel dramatisches Potential verschenkt wurde.

Trauriges Abenteuer.

von Lida Bach



Max Manus: Aksel Hennie
Fehmer: Ken Duken

Tikken: Agnes Kitelsen

Regie: Joachim Ronning | Norwegen, Deutschland, 2008

Länge: 118 min | FSK: ab 12 | Buch: Thomas Nordseth-Tiller | Kamera: Geir Hartley Andreassen | Schnitt: Anders Refn | Musik: Trond Bjerknes | Produktion: John M. Jacobsen, Sveinung Golimo