Marie Antoinette


Handlung

Marie Antoinette heiratet 1770 als Prinzessin von Österreich den französischen Thronfolger und zieht in das prächtige Versailles. Von ihrem Gemahl ignoriert und den Damen am Hof belächelt findet sie mit ihrer liebenswürdigen Art trotzdem ihren Platz an diesem verschwenderischem Ort, in dem Üppigkeit und Vergnügen dominieren.


Doch das hungernde, französische Volk ist empört über die Verschwendungssucht ihres Königspaares und stürmt wütend die königlichen Tore.

Meinung

Für Sofia Coppola steht in „Marie Antoinette“ wie schon in „Lost in Translation“ das Einfangen von Stimmungen im Vordergrund und so verzichtet sie auf eine herkömmliche Dramaturgie mit einem steigenden Spannungsbogen. Stattdessen zeigt sie mit ihrer langsamen Erzählweise und Blick für Einzelheiten das Leben einer werdenden Königin, mit all seiner Leichtigkeit und all seiner erdrückenden Schwere. Dabei lernen wir die königliche Gesellschaft trotz der opulenten Ausstattung als Privatpersonen kennen: Politik, Wirtschaft und das Leben außerhalb von Versailles bleiben außen vor. So wird in „Marie Antoinette“ ein anderer, weniger distanzierter Blick auf das damalige Leben am Königshof und dessen Alltag mit seinen vielen erstaunliche Details geworfen. Die in der Öffentlichkeit als verschwendungssüchtig verschriene Marie Antoinette lernen wir als offenen, unschuldig kindlichen und herzlichen Menschen kennen, die mit ihrem strahlenden Lächeln den König von Frankreich und auch schließlich seinen Nachfolger bezaubert.

Mit fetzigem Soundtrack, knalligen, teilweise fast neonfarbigen Bildern und Anspielungen auf auch heute noch geltende „Frauenlaster“ wie das ausgiebige Shoppen bringt Sofia Coppola das Genre „Historiendrama“ ein Stück näher in die Moderne und versprüht dabei immer wieder einen dezent gesetzten Humor, wie mit der Unterschrift von Marie Antoinette auf der Heiratsurkunde, wo sie auf diesem ehrbaren, königlichen Dokument nicht nur schief unterschreibt, sondern auch noch einen gewaltigen Tintenklecks hinterlässt.

Sofia Coppolas Hauptaugenmerk liegt auf der Stimmung des Films, die Marie Antoinettes Gefühlswelten mit einschließen. Und dieses Einfangen gelingt ihr wunderbar, man spürt die Aufregung der Hauptfigur, wunderbar interpretiert von Kirsten Dunst, auf dem Weg in ihre neue Heimat, die Ausgelassenheit beim Feiern und die Langeweile und Leere bei den vorgeschriebenen Etiketten. Und da ihr Handeln so menschlich und nachvollziehbar gezeigt wird, verzeiht man ihr den nicht zu leugnenden Egoismus gegenüber ihren Untertanen, den man ihr jedoch in dieser Situation schwer vorwerfen kann, ist doch Verschwendung die einzige Beschäftigung in ihrem Leben, das so sehr von der Außenwelt abgeschnitten ist, dass sie sich diese gar nicht mehr vorstellen kann.


Aus dieser Traumwelt werden die Bewohner Versailles schließlich unsanft von dem aufbegehrenden Volk in die Realität zurückgeholt. Das Ende eines Traumes.


Eine bunte Traumwelt.

von Tora Stern



Marie Antoinette: Kirsten Dunst
Frankreichs Thronfolger: Rip Torn

Frankreichs König: Jason Schwartzman

Regie: Sofia Coppola | USA, 2006

Länge: 123 min | FSK: o. A. | Buch: Sofia Coppola | Kamera: Lance Acord | Ton: Richard Beggs | Szenenbild: Pierre Duboisberranger, Anne Seibel | Schnitt: Sarah Flack | Musik: Jean-Philippe Rameau, Steven Severin, Air, New Order u. a. | Produktion: Columbia Pictures Corporation, American Zoetrope, I Want Candy, Pricel, Tohokushinsha Film