Männer, die auf Ziegen starren


Handlung

Bei einem Interview für die Lokalnachrichten hört Bob Wilton von parapsychologischen Forschungen des Militärs zur Kriegsführung. Zuerst glaubt er das Gerede von Jedi-Kriegern und Telekinese nicht. Doch dass der Typ, für den ihn seine Frau verlässt, einen Kunstarm hat, der aussieht wie ein Handschuh Darth Vaders, und ein Hamster nach Anstarren bewusstlos wird, weckt sein Misstrauen. Wilton reist an die irakische Grenze und blickt neidisch auf die Berufskollegen, die lässig von ihren Kriegseinsätzen berichten. Niemand entkommt seinem Schicksal. Auf das Auge in der Pyramide, welches Wilton dahin krakelt, wird Lyn Cassady aufmerksam, der beste PSI-Krieger der „New Earth Army“, die aus Hippie-Philosophie und Esoterik eine neue Kriegsstrategie entwickelt hat. Cassady und Wilton brechen auf in die Wüste, zu LSD- und Selbstfindungstripps und „Männern, die auf Ziegen starren“.

Meinung

Grant Heslovs Kameraauge beobachtet die Beobachter in seiner ironischen Kriegssatire „Men who stare at goats“. Sie blicken dem Tod ins Auge und der Tod blickt aus ihren Augen zurück. Bis die Ziege umfällt. Versteckt in der irakischen Wüste gibt es diese US-amerikanische Militärstation, wo Soldaten an Ziegen telekinetische Fähigkeiten üben, die gegen Menschen eingesetzt werden soll. Kein Held mit Notizblock im Stil von Woodward und Burns kommt den „Männern, die auf Ziegen starren“, auf die Spur, sondern ein schmieriger Kleinstadtreporter. Die handgezeichnete Pyramide, die sein Schicksal bestimmt, ist vermutlich eine Spätfolge McGregors „Illuminati“-Trauma. Sie glauben nicht an amerikanische Soldaten mit der Macht von Jedi-Rittern? Die größte Stärke des Teufels ist die Leugnung seiner Existenz. Nur nicht zu intensiv auf die Leinwand starren. Es könnte Tote geben.

Sogenannte PSI-Krieger sollen durch Wände gehen, Gedanken lesen und durch Blicke töten können. Die Handlung klingt nach einer abstrusen Science-Fiction-Geschichte. Tatsächlich basiert sie auf einem Sachbuch. Der britische Journalist und Autor Jon Ronsons verfasste den gleichnamigen Bestseller nach wahren Begebenheiten. Grant Heslovs bitterböse Satire zeigt die Schrecken der psychologischen Kriegsführung, die das Vorstellbare überschreitet. New-Age-Gurus wie Bill Django wollen Soldaten zu spiritueller Erkenntnis führen und ein General Hopgood will wortwörtlich mit dem Kopf durch die Wand. Krieg ist Wahnsinn. Heslovs „Männer, die auf Ziegen starren“ sind beunruhigend dicht an der Realität. Ein drittklassiger Schauspieler als Präsident, „Star Wars“ im Kino und im Weißen Haus. Besitzt Angela Lansbury militärische Geheiminformationen? Hinter den aberwitzigen Ereignissen lauert bei Heslov die bittere Erkenntnis. Eine Adlerfeder als geschätztes Abzeichen umzuhängen, ist nicht absurder, als für „Orden“ genanntes Metall zu töten. Die Adlerfeder ist tatsächlich die eines Truthahns. Nicht einmal die Symbole sind echt, die an den Sinn eines Handelns mahnen sollen, der nie existierte.

Militärische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich, wusste der weise Marx (Groucho). Beunruhigender als die irrwitzigen Methoden des Militärs ist deren Effektivität. Sei es durch PSI-Kräfte oder der Glaube daran, Lyn Cassady scheint tatsächlich ein Superkrieger zu sein. Sein Wahnsinn hat Methode. Bis zum Jedi ist es von dort nur ein kleiner Schritt. Die Idee einer New-Age-Armee ist nicht absurder als die des bewaffneten Kampfes für Frieden an sich. Ewan McGregors Wilton schrumpft zur Randfigur neben Clooney, Jeff Bridges, Stephen Lang und Kevin Spacey. Ihre „Männer, die auf Ziegen starren“ sind fast bemitleidenswert in ihrer fehlgeleiteten Sinnsuche und Selbstüberschätzung. Raffiniert enthüllt Heslov, wie Manipulierte zu Manipulatoren werden und die Friedensbewegung zum Krieg instrumentalisiert. Make love and better war! Die Kinderlieder von „Barney, dem Dinosaurier“, welche als Folter angewandt werden, finden nur am Rande Erwähnung. Jon Ronsons zweiter Teil der Sachbuch-Trilogie „Funny torture“ ist noch unverfilmt. Mit seinem Regiedebüt beweist sich Grant Heslov als optimaler Kandidat. Möge die Macht mit ihm sein.

Wenn Blicke töten könnten.

von Lida Bach



Bob Wilton: Ewan McGregor
Lyn Cassady: George Clooney
Bill Django: Jeff Bridges

General Hopgood: Stephen Lang
Larry Hooper: Kevin Spacey

Regie: Grant Heslov | USA, 2009

Länge: 93 min | FSK: ab 12 | Buch: Peter Straughan | Kamera: Robert Elswit | Szenenbild: Sharon Seymour | Musik: Rolfe Kent | Schnitt: Tatiana S. Riegel | Produktion: Grant Heslov, George Clooney