Low Lights
Handlung
Tadas ist Versicherungsangestellter, verheiratet mit einer attraktiven, erfolgreichen Frau und in eine neue Wohnung gezogen. Doch etwas fehlt ihm.
Eines Tages begegnet Tadas sein alter Schulfreund Linas und schlägt eine nächtliche Rundfahrt in Tadas' Wagen vor. Beide fahren los, offen für alles, was die Nacht ihnen bringen mag. Und so treffen sie die geheimnisvolle Laura, die sie in ihrem Wagen mitnehmen.
Meinung
Klingt nach einem Kurzfilm, doch "Low Lights" ist von abendfüllender Länge. Der Film endet nicht mit Tadas Fahrtantritt. Richtig los geht "Low Lights" auch nicht, er kriecht im intellektuellen Leerlauf vor sich her. Tadas und Linas fahren nachts Auto. "Und das Ziel?", fragt Tadas seinen Kumpel. "Gibt es nicht." Nein, gibt es wirklich nicht. "Du wirst den Unterschied schon merken.", behauptet Linas, als seien seine Worte an die Zuschauer gerichtet. Etwas Großes spiele sich beim nächtlichen Autofahren ab, soll die Aussage suggerieren. Wer das nicht mitkriegt, muss unsensibel sein. Eine mythische Wandlung vollzieht sich angeblich mit den Autoinsaßen. Sie sind keine Verkehrsteilnehmer mehr, sondern "Reisende", wie Linas bedeutungsschwer verrät. Weil "Low Lights" mit einer Wagenladung voller Klischees unterwegs ist, begegnen die Männer einer weiblichen Reisenden, die sie zu Konkurrenten macht. Zentimeterdick geschminkt wird Laura als mysteriöse Fremde inszeniert. Tatsächlich sieht sie wie eine Büroangestellte aus, die nachts an Tankstellen hinter jüngeren Typen her ist: "Ich wurde vergessen.", erzählt Laura. Sieht man sie zuvor aufgedonnert an einem Imbisstisch stehen, glaubt man ihr aufs Wort.
"Low Lights" wirkt wie ein endloses Musikvideo ohne Musik. Eine lange Nacht fahren zwei Typen mit dem Auto herum. Interessante Dialoge gibt es ebenso wenig wie charakterliche Wandlungen. Spannung ist in Ignis Miskinis' gelangweilter Fahrstunde "Low Lights" ausgeschlossen. Nur die Autos brausen dahin, die Filmhandlung kommt nie in Fahrt. Stille Wasser sind angeblich tief. Also lässt Miskinis Laura meist schweigend mit vagem Lächeln Andere anstarren. Interessanter wirkt sie durch diese Angewohnheit nicht, eher leicht behämmert. Warum sonst stiege sie zu drei früher in "Low Lights" auftauchenden peinlichen Mackern in deren protziges Fahrgestell? Die drei "Reisenden" sehen aus, als würden sie Scooter hören, "Hey, Alter" sagen und statt zu Tanzen mit dem Kopf wackeln. Laura sitzt auf dem Beifahrersitz. Irgendwann hält man auf einem Parkplatz, wo andere Reisende herumlungern und auch Tadas und Linas rasten.
Laura klaut das protzige Mackerauto. Jetzt verfolgen sie bestimmt die drei Typen, wollen Rache und - nein, nein, die drei gehen brav zur Polizei und erstatten nicht einmal Anzeige, denn die wortkarge Laura kann keine Böse sein. Weil die drei Deppen vermutlich wie Tadas und Linas aus rituellen Gründen stets nur zwei Liter tanken, bleibt das Mackerauto stehen. Laura nimmt ein Taxi und trifft Tadas und Linas wieder.
Miskinis hat angeblich auch das Drehbuch verfasst - wenn es für "Low Lights" überhaupt eines gab. Der sinnleere Streifen wirkt wie ein in der letzten Nacht vor Abgabetermin zusammen gefilmtes Studentenprojekt. Handlungshöhepunkte sind das Waschen des Autos, Tanken ("Immer nur zwei Liter.") und zum Kaffee trinken an Tankstellen anhalten.
"Weiter warten oder fahren?", fragt Laura, nachdem die drei Hauptprotagonisten sinnlos auf dem Flughafen herum standen. Weiterfahren. Bis auch der hartnäckigste Zuschauer gegangen oder eingepennt ist. Wer einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hat und unter Schlafstörungen leidet, sollte sich "Low Lights" anschauen. Der Film wirkt so einschläfernd wie eine überlange nächtliche Autofahrt, nur das im Kino nicht die Gefahr eines Unfalls besteht.
Neben der Spur.
Tades: Dainius Gavenonis
Laura: Julia Maria Köhler
Linas: Jonas Antanelis
Regie: Ignas Miskinis | Deutschland, Litauen, 2009
Länge: 92 min | FSK: ab 6 | Buch: Ignas Miskinis | Kamera: Rolandas Leonavicius | Schnitt: Gesa Marten | Produktion: Ieva Norviliene, Dagmar Niehage

