Die ewigen Momente der Maria Larsson
Handlung
Das Leben ist nicht leicht für die junge Schwedin Maria. Mit ihrem alkoholabhängigen Mann Sigfrid lebt sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ärmlichen Verhältnissen. Als zu den drei Kindern noch ein viertes hinzu kommt, will sie die Fotokamera verkaufen, die sie vor Jahren bei einer Tombola gewann. Pedersen, der Besitzer des Fotogeschäfts, in welchem sie den Apparat anbietet, schlägt Maria einen ungewöhnlichen Handel vor. Er stellt ihr Fotomaterial und Entwickler zur Verfügung, bis er durch diese materielle Vergütung die Kamera abbezahlt hat. Aus Neugier lässt sich Maria auf den Handel ein. Zuerst sind es nur Probeaufnahmen, die sie anfertigt. Unerwartet entdeckt die einfache Arbeiterin und Mutter in sich eine außergewöhnliche Begabung für die Fotografie. Ihre Fähigkeiten beeindrucken ihre Mitmenschen. Mit der Zeit wird das Fotografieren für Maria zum einträglichen Nebenverdienst. Der ruhige Pedersen wird für Maria zu einem Seelenverwandten, ihr Mann Sigfrid ihr gegenüber jedoch immer aggressiver. Mehr als auf einen möglichen Nebenbuhler ist er eifersüchtig auf Marias Fotografieren.
Meinung
„Die ewigen Momente der Maria Larsson“ sind flüchtige Augenblicke. Durch die Fotografie findet sie eine Möglichkeit, dem Unscheinbaren und Vergänglichen in ihrem Alltag Dauer zu verleihen. Für die durch ihren brutalen Gatten und die Armut unterdrückte Frau wird das Fotografieren ein Mittel zur Selbstbehauptung. Regisseur Jan Troell, der das Drehbuch mitschrieb, besitzt wie seine Hauptfigur ein Gespür für Bildkompositionen. Das geringe Budget sieht man dem Drama deutlich an, doch Troell versteht es, der schlichten Szenerie einen authentischen Charme abzugewinnen. „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ besinnt sich ganz auf seinen Titel. Seinen Reiz gewinnt das Drama aus beiläufigen Momentaufnahmen. Eine Katze auf einem Fensterbrett, Kinder, die ein ertrunkenes Mädchen auf dem Totenbett betrachten. Dabei beweisen „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ nicht nur ein Gefühl für visuelle Details, sondern ebenso für soziale. Troells Film ist Drama und Gesellschaftsporträt. Ohne nostalgische Idealisierung zeigt er ein Lebensbild der Unterschicht Anfang des letzten Jahrhunderts, welches realistischer ist als das vieler Großproduktionen.
Der Vorspann verweist auf die besondere Stärke des Dramas. In Großaufnahme umspielt die Kamera des Regisseurs eine weitere Kamera, ein altes Aufnahmegerät, wie es die Hauptfigur besitzt. Nicht die Person dahinter, sondern das visuelle Medium und seine Ausdruckskraft stehen für Troell im Mittelpunkt des Films, bei dem er auch die Kamera führte. „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ lebt durch seine schwelgerischen Bildaufnahmen. Die Handlung hingegen verfällt immer mehr in Langatmigkeit. Dramatik kommt in dem einförmigen Leben Marias und ihrer Familie nicht auf. Beim Fotografieren vergesse sie alles Andere, klagt Maria in einer Szene. Ähnlich scheint es Troell mit seinem Drama zu gehen. Die Figuren bleiben skizzenhaft und oberflächlich. Man leidet nicht mit Maria unter der ehelichen Gewalt, man fürchtet nicht um Sigfrid, als er in den Krieg einberufen wird. Maria gewinnt als einzige Filmfigur ansatzweise Profil, ihre Mitmenschen hingegen bleiben schablonenhaft. Seine Charaktere sind für Troell nur Statisten, deren Aufgabe es ist, die sorgfältig inszenierten Aufnahmen zu beleben. „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ erinnern an die Bilder in einem alten Fotoalbum. In altmodischer Kulisse blicken wie verkleidet wirkende Menschen in die Linse. Protagonisten vergangener Leben, welche über den Rand der Bilder nie hinausgereicht zu haben scheinen.
Dabei reichte die Biografie Maria Larssons über die Leinwand hinaus. „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ erlebte die Großtante der Ehefrau Troells. Nicht zufällig erzählt im Film Marias Tochter Maja die Handlung. Zuletzt sind „Die ewigen Momente der Maria Larsson“ eine Episode aus einer Familienchronik. Wie manchmal auch das wahre Leben muss der Film ohne große Momente auskommen.
Nostalgische Momentaufnahme.
Maria: Maria Heiskanene
Sigfrid: Mikael Persbrandt
Pedersen: Jesper Christensen
Maja: Caroline Oehrvall
Regie: Jan Troell | Schweden, Norwegen, 2008
Länge: 105 min | FSK: ab 6 | Buch: Niklas Radström | Kamera: Jan Troell | Schnitt: Niels Pagh Andersen | Produktion: Thomas Stenderup, Ute Schneider, Christof Groos

