Die besten Absichten


Handlung

Ein vertrauliches Gesprächs zwischen dem unter kargen Bedingungen lebenden Theologiestudenten und Pfarrerskandidaten Henrik und seinem Großvater: Der alte Man möchte den jungen angehenden Pfaffen bestechen. Dieser soll sich seiner Großmutter auf dem Sterbebett ein letztes Mal annehmen. Doch Henrik verweigert sich mit scharfer Zunge und unerbittlicher Miene. Die Familienverhältnisse sind zerrüttet und Henrik, obwohl arm, gleichwohl stolz und zielstrebig. Henrik ist mit einer gleichfalls mittellosen Kellnerin heimlich verlobt. Um so verwirrender ist es für ihn, als er bei seinem Studienfreund Ernst dessen bezaubernde wie auch eigensinnige Schwester Anna kennenlernt. Der gutsituierte Familienclan empfängt ihn jedoch keineswegs mit offenen Armen. Vor allem Annas Mutter Karin sieht die Liaison als ein Desaster und möchte sie mit allen Mitteln verhindern. Auch Henrik schwankt in seiner Loyalität gegenüber seiner Verlobten und der für ihn so faszinierenden Anna. Letztlich verzichtet seine Verlobte auf ein Weiterführen der Beziehung.

Doch die dominante Mutter Karin hat es inzwischen geschafft, Argwohn und Misstrauen in die zarte Beziehung zu sähen, und die zartgliedrige Anna erkrankt an Tuberkulose. Die fragile Beziehung reißt auseinander.
Henriks Versuche, mit Anna Kontakt aufzunehmen, werden von ihrer autoritären Mutter verhindert. Anna lebt in dem Glauben, Henrik sei nicht mehr an ihr interessiert und habe ein neues Leben angefangen. Beide, sowohl Henrik als auch Anna, leiden Höllenqualen der Sehnsucht. Als Annas heißgeliebter Vater überraschend stirbt, bricht aus der bislang erbarmungslosen Karin die ganze Wahrheit über die von ihr unterschlagenen Briefe Henriks an Anna heraus. So finden sie sich doch noch, Anna und Henrik. Voller Enthusiasmus ziehen sie in die raue Provinz Schwedens, dort möchte Henrik eine Pfarrstelle annehmen. Doch schnell wir das gemeinsame Leben in der unwirtschaftlichen Umgebung zur Zerreißprobe. Die zwei überaus schwierigen Charaktere versuchen es zu meistern; das nackte, eiserne Leben im Dienste Gottes und im Einklang ihrer Liebe zwischen Unbehagen, Anklage und Wertschätzung. Dessen ungeachtet zerbricht sie schließlich, die mühsam erbaute Beziehung der beiden Liebenden.

Meinung

Es ist der Tanz auf dem Vulkan. Die Schlittschuhfahrt auf hauchdünnem Eis. Das Klettern an einer eisigen Gletscherwand. Das alles sind Assoziationen zu der Kooperation zwischen Ingmar Bergmann und Bille August. Subversiv scheint sie die ganze Zeit durch, die konstante Determination der Hauptprotagonisten. Eindringlich wird deutlich, wie sie in ihren intellektuellen sowie schwermütigen Wesen feststecken. Vor allem der diffizile Henrik verlangt dem Zuschauer einiges ab. Nicht selten überkommt einem die Lust, ihn an den Schultern zu packen und wild zu schütteln. Zum Beispiel als er leidend wie ein Hund in seiner kargen Mansarde an seinem Kummer zu ersticken scheint. Oder als er, von seinem sturen Moralpedantismus geleitet, ein äußerst lukratives Angebot der Königin, Hofpfarrer zu werden, stur ausschlägt. Nach Ende des Filmes liegt auf Grund der existentiellen Thematik des Stoffs eine leicht bedrückende Atmosphäre in der Luft. Denn Drehbuchautor Ingmar Bergmann verarbeitet in dem Drama ganz offen seine schwierige Kindheit und bezeichnet den Film als einen Versuch der Versöhnung mit seinen Eltern. Wahrscheinlich schafft der Film es gerade deswegen, die eigentlich banale Alltäglichkeit einer schwierigen Liebesbeziehung in eine dramaturgisch ansprechende Geschichte zu verwandeln. Vor allem die wunderschöne, melancholische Filmmusik von Björn Linnman und Stefan Nilsson gepaart mit eminent naturgewaltigen Bildern generiert diese konstante unverwechselbar schwermütige Stimmung.

Auch die schonungslose Offenheit, mit der die Charaktere aufeinander zugehen, ist bewegend und zeugt von einem hochwertigen und qualitativen Schauspiel. Pernilla August alias Anna bekam für ihre Leistung 1992 bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis als beste Schauspielerin. „Die besten Absichten“ ist ein Film der anderen Art, kein Entertainment im klassischen Sinne. Hier wird schonungslos die Realität der Liebe gezeigt. Ihre Schwierigkeit und die Unberechenbarkeit, mit der sie sich bisweilen entwickelt. Somit ist der Film zeitlos, die starke Fokussierung auf die menschlichen Facetten der Charaktere ist so vielschichtig wie beeindruckend. Bergmann beschönigt nichts und wagt es, schwierige Charaktere zu porträtieren. Nackt und schonungslos stehen sie sich gegenüber, die Hauptprotagonisten, immer im klaren Angesicht zueinander. Stets um eine frappierende Aufrichtigkeit und Treue zu ihrer selbst und ihrem Umfeld bemüht, schaffen sie es letztlich trotzdem oder gerade deswegen nicht einfach nur zu lieben und zu sein. Obgleich der schwermütigen Gefühle nach der Darbietung: "Die besten Absichten" ist ein großartiger Film über menschliche Verstrickungen und die Zerbrechlichkeit der Liebe.

Die guten Absichten des Films gehen auf.

von Ulrike Rasch



Henrik: Samuel Fröler
Großvater: Keve Hjelm
Anna: Pernilla August

Ernst: Björn Kjellman
Annas Mutter: Ghita Nørby
Annas Vater: Max von Sydow

Regie: Bille August | Schweden, 1992

Länge: 176 min | FSK: ab 6 | Buch: Ingmar Bergman | Kamera: Jörgen Persson | Szenenbild: Anna Asp | Schnitt: Janus Billeskov Jansen | Produktion: Ingrid Dahlberg