Das Orangenmädchen
Handlung
"Das Orangenmädchen" sieht Jan Olav eines Tages in der Bahn. Seitdem kann er die Unbekannte, der eine mit Orangen gefüllte Einkaufstüte herunterfällt, nicht mehr vergessen. Aus dem kühlen Norwegen folgt Jan Olav der Unbekannten nach Sevilla. Dass sie spanische Orangen herum trägt, hat er bei einer unaufgesammelten Frucht heraus geschmeckt. Dank einer Postkarte, welche "Das Orangenmädchen" Jan Olav sandte, genießen die beiden in Sevilla zusammen ihre Zeit. Jahre später hört Jan Olavs Sohn Georg die Geschichte dieses Orangenmädchens von seiner Mutter.
Vor Jahren ist sein Vater Jan Olav an Krebs verstorben. Seine Mutter will Georg mit ihrer Erzählung helfen, den Verlust des Vaters endlich zu überwinden. Denn zu Georgs Leben besteht eine besondere Verbindung mit dem rätselhaften Orangenmädchen, welches sein Vater Jan Olav einst traf.
Meinung
Frauen und Obst sind eine unwiderstehliche Kombination. Das musste schon Adam im Paradies feststellen. Dem Erliegen der Versuchung folgt bittere Erkenntnis. So ergeht es einem auch mit Eva Dahrs "Das Orangenmädchen". Die Liebesgeschichte ist so gewöhnlich wie das Fruchtgetränk. "Ist sie so schön?", fragt ein Kommilitone Jan Olav. Nein, darum ist Jan Olavs Betörung durch die Unbekannte eher rätselhaft. "Sie ist anders.", verrät der junge Hauptcharakter. Bei Jostein Gaarder, dem Autor der Romanvorlage, bedeutet "anders", dass ungeheuer Besonderes, Bedeutsames vorliegt. "Ich bin ein Eichhörnchen.", verrät das Orangenmädchen Jan Olav. Dergleichen Gerede findet sein Kumpel verständlicherweise lachhaft. Vielleicht heißt "anders" einfach, leicht behämmert. Wird der nächste Typ in der U-Bahn, vor dem einem versehentlich der Frühstücksapfel herunterfällt, einem endlos verfolgen? "Das Orangenmädchen" wertet derartige Obsession als romantische Wunscherfüllung. Wer sich von der Verfilmung Jostein Gaarders gleichnamigen Romans ins Kino locken lässt, wird mit einem Werk bestraft, welches einer eineinhalbstündigen "Valensina"-Werbung ähnelt. Der emotionale Tiefgang, um welchen sich Eva Dahrs Liebesfilm bemüht, bleibt gekünstelt und aufgesetzt. "Das Orangenmädchen" liefert hübsche Bilder, so uninspiriert wie billige Postkarten.
Zu allem Überfluss erzählt "Das Orangenmädchen" noch eine Parallelhandlung von Georg, der Leibesfrucht der Titelfigur. Der verliebt sich in ein Mädchen, welches orange Plastikperlen im Haar als große Liebe kennzeichnen.
"Zeit, was ist Zeit?", fragt Jan Olav in einem Liebesbrief. Zeit ist Geld, wenn man sie im Kino gegen Eintritt zubringt. Schlimmstenfalls zieht sie sich bei einem Film wie "Das Orangenmädchen" endlos in die Länge. Den norwegischen Bestsellerautor Jostein Gaarder, auf dessen Roman der Kinofilm basiert, haben jüngere Leser noch aus der Schulzeit in gräulicher Erinnerung. Mit bedeutungsschwerer Miene hielt die Sorte Mitschüler, die sonst Esoterikschinken las und Engel vor sich hinkrakelte, Vorträge über dessen Erfolgsromane "Sophies Welt" und "Das Kartengeheimnis". Jostein Gaarder vermag ein Nichts an Inhalt zu pompöser Pseudophilosophie aufzublähen. Diese Eigenschaft überträgt der Autor mystisch angehauchter Geschichten anscheinend auf Schüler, die über sein Werk referieren. Über "existentielle Probleme" lässt "Das Orangenmädchen" ihren Verehrer Jan Olav laut Pressematerial sinnieren. Probleme, gar existentielle, ist das letzte, was die Filmfiguren haben. "Gibt es die Ewigkeit?" Definitiv, beim Ansehen von "Das Orangenmädchen".
"Ist alles Teil eines großen Plans?" Höchstens des Tantiemenplans Gaarders und Dahrs. Um die Handlung besonders tiefsinnig zu machen, wird Orangensaft getrunken, orange getragen und unter Orangenbäumen spaziert. Mit den Südfrüchten macht das "Das Orangenmädchen" vermutlich ein Vermögen, denn in der Romanverfilmung scheinen sie Grundnahrungsmittel Nummer eins zu sein. Schon Mama warnte frühe vor der "Valensina"-Werbung: "Von Onkeln aus dem Gebüsch nichts annehmen!" Hätte Adam nur darauf gehört. Durch "Das Orangenmädchen" werden höchstens die Kinozuschauer finanziell frisch ausgepresst.
Alles Banane.
Orangenmädchen: Annie Dahr Nygaard
Jan Olav: Harald Thompson Rosenstrom
Georg: Mikkel Bratt Silset
Regie: Eva Dahr | Norwegen, Spanien, 2009
Länge: 80 min | FSK: ab 6 | Buch: Axel Helgeland, Andreas Markusson, Jostein Gaarder | Kamera: Harald Gunnar Paalgard | Schnitt: Per-Erik Eriksen | Musik: Mario Schneider | Produktion: Axel Helgeland

