Blind Side
Handlung
Die wohlhabende Familienmutter Leigh Anne Tuohy führt das perfekte Luxusleben. Als sie eines Nachts dem obdachlosen Michael sieht, nimmt sie den Schulkameraden ihres Sohnes S.J. bei sich auf. Die Familie schließt den riesigen Schwarzen ins Herz, der sich als hochtalentierter Footballer entpuppt. Dank Leigh Annes Förderung beginnt für den armen Schwarzen eine einzigartige Karriere.
Meinung
„Is this some kind of white guilt thing?“, spekuliert eine Freundin Leigh Annes. Nein, es ist ein „white supremacy thing“. Die wahre Geschichte des Football-Stars Michael Ohr behauptet „Blind Side“ zu erzählen. „Er will nicht einmal reden.“, sagt eine Lehrerin über den verschlossenen Teenager, der nur eine Kleidungsgarnitur besitzt und im Unterricht stumm vor sich hin blickt. In der Szene scheint Regisseur John Lee Hancock sich vorab für sein Ignorieren Michaels zu rechtfertigen. Selbst Schuld, wenn er nicht die Hauptrolle spielen will. Dann muss es jemand anderes tun. Dieser jemand ist Leigh Anne Tuohy, in mehrfachem Sinne die „Entdeckerin“ Michaels. Dessen Laufbahn dient „Blind Side“ als Vorwand für ein Loblied auf die konservative weiße Oberschicht. Leigh Anne, ihr Ehemann Sean und die Kinder Collins und S.J. verkörpern das Familienideal der WASP – White Anglo-Saxon Protestant. Das biblische Ideal der Armut vernachlässigen die superreichen Tuohys, die Nächstenliebe nehmen sie bitterernst. „Wir können das auf die sanfte Tour machen oder auf die harte Tour.“, droht Leigh Anne einmal, als Michael ihr nichts über sein Privatleben erzählen möchte. Hier wird einem geholfen, da hilft nichts. Die Schulleitung, die Tuohys, der Football-Coach - um dem verlassenen schwarzen Jungen zu helfen, überschlagen sich alle. Alle Weißen. Die schwarze Bevölkerung präsentiert „Blind Side“ als Negativklischee Crack rauchender, gewalttätiger Asozialer, die wie Gangster-Stereoptypen gekleidet sind und auch so sprechen. Gut, dass Leigh Anne vorbereitet ist: „Ich bin Mitglied des NRA.“, droht sie, als sie von Schwarzen als „bitch“ beschimpft wird und verweist auf die Waffe, die sie in der Handtasche trägt. Smith & Wesson und Louis Vuitton – ein „Must have“ für eine rich bitch im schwarzen Ghetto. Denn selbstverständlich sind in „Blind Side“ die schwarzen Männer hinter weißen Frauen her.
Michaels drogensüchtige Mutter kümmert sich nicht um ihn, eine schwarze Anwältin säht Zwietracht, indem sie die Motivation der Tuohys hinterfragt. Haben sie den im Regen wandernden, obdachlosen Jungen womöglich nur aufgelesen, um von seiner Sportbegabung zu profitieren? Nein, sie handeln wie „gute Christenmenschen“, als die Michaels verantwortungslose Mutter sie lobt. Nicht wegen des Sports, sondern weil es „das Richtige“ sei, würde Michael an der Eliteschule aufgenommen. „Wie seinen eigenen Sohn“ will sein Trainer ihn verteidigen, die Tuohys adoptieren ihn und der Ku-Klux-Klan hat vermutlich auch schon Interesse angemeldet. Unter den rassistischen Negativstereotypen Schwarzer verkörpert Michael eine zeitgenössische Variation des „edlen Wilden“. Damit es neben Tränen der Rührung auch etwas zu lachen gibt, werden Mutter und Ziehsohn mit „Jessica Lang und King Kong“ verglichen. Der Schwarze als Riesenaffe, dessen Kraft von überlegener weißer Intelligenz in geordnete Bahnen gelenkt wird. Sonst wird sie zum sozialen Problem in Form von Sucht und Kriminalität. Die Zeitungsartikel über jung verstorbene schwarze Kriminelle, die Leigh Anne zitiert, sollen es belegen. „Michael hätte einer von ihnen sein können.“ Dank sei ihr, er wurde es nicht! Als einzige Weiße wird Michaels demokratische Lehrerin Miss Sue kritisch dargestellt. „Wer hätte gedacht, dass wir einen schwarzen Sohn haben, bevor wir eine Demokratin treffen.“, bemerkt Leigh Anne. Demokraten ist eben nicht zu trauen. Die versuchen wie Miss Sue heimlich naive Schwarze wie Michael mit Horrorgeschichten von dem von seinen Stiefeltern vorgezeichneten Weg abzubringen.
Niemand habe ihn gefragt, was er wolle, bemerkt Michael einmal. Wohl wahr, weder die Charaktere, noch der Film. Zu der Persönlichkeit hinter Michaels riesenhafter Statur will „Blind Side“ nicht durchdringen. Stattdessen heißt es: „The past is gone. The bad things are over. The world is a good place.“ Halleluja.
Blind für die gesellschaftliche Realität.
Lerigh Anne Tuohy: Sandra Bullock
Michael Ohr: Quinton Aaron
Sean Tuohy: Tim McGraw
S.J. Tuohy: Jae Head
Miss Sue: Kathy Bates
Regie: John Lee Hancock | USA, 2009
Länge: 129 min | FSK: ab 6 | Buch: John Lee Hancock | Kamera: Alar Kivilo | Szenenbild: Michael Corenblith | Musik: Carter Burwell | Schnitt: Mark Livolsi | Produktion: Gil Netter, Andrew A. Kosove, Broderick Johnson


Sorry, aber scheinbar ist an
Sorry, aber scheinbar ist an dir vollkommen der Ursprung des Filmes und dessen Geschichte entgangen, während du versuchst nur den extremen Rassenunterschied als Dreh- und Angelpunkt des Films zu präsentieren.
Die kommplette Grundlage der Geschichte basiert auf der realen Geschichte des Micheal Oher , man hat nur einige Elemente leicht abgeändert.
Dann soll dieser Film als ein Familienfilm fungieren und nicht als ein Mittel um politische sowie ethnische Kritiken zu üben.
Das die "Schwarzen" in dem Film alle so schlecht dargestellt werden, liegt doch wohl an dem Umfeld in welchem sich diese im Film bewegen, sprich in einem runtergekommenen Ghetto bzw. einer Gangsterclique.
Daher ist es doch verständlich, dass es schlechtes Bild entspringt, welches ja auch der Realität entspricht und wie behauptet irgendwie davon abweicht.
Ganz allgemein geht es in dem Film doch wohl darum, das Micheal seine schlimme Herkunft/Jugend mit Hilfe der Tuohys überwindet und ein gutes Leben führen wird.