Anvil! - Die Geschichte einer Freundschaft


Handlung

„Anvil“ sind eine Legende. In den Eröffnungsszenen huldigen die ganz Großen des Heavy Metal der Band, deren Stil der Musikrichtung sein Brandzeichen aufdrückte. Slash von „Guns 'n' Roses“, Lars Ulrich, Gitarrist der Band „Metallica“, und „Motörhead“-Frontmann Lemmy würdigen die Musik der Band von Sänger Steve „Lips“ Kudlow und Gitarrist Robb Reiner. Im Alter von vierzehn Jahren riefen die beiden Jugendfreunde „Anvil“ ins Leben. Ihrem zu deutsch "Amboss" bedeutenden Namen entsprach dem Musikstil der Gruppe: eingängig, hart, laut. Noch heute sind die Gründungsmitglieder Lips und Reiner dabei und rocken das Publikum - wenn man sie lässt. „Anvil“ sind Ikonen was ihren Status als stilbildende Metal-Band betrifft, doch ihre neueren Alben rangieren im Plattengeschäft auf den hintersten Plätzen. Die Zeit, als „Anvil“ riesige Konzerthallen füllte, ist lange vorbei. Von musikalischen Erfolgen wie dem ihres 1980 erschienen Debütalbums können sie nur träumen; wie von der Rückkehr auf die Bühne, von Auftritten vor einer begeisterten Masse, von künstlerischer Anerkennung. „Das ist unser Scheiß-Traum!“, sagt Lips. Und „Anvil“ lassen ihn sich nicht nehmen.

Meinung

„The Story of Anvil“ lautet der Originaluntertitel von Sacha Gervasis Dokumentarfilm. Schlicht und direkt, wie es sich gehört für eine Reportage über eine prägende Heavy-Metal-Band – die immer wieder spielt. „Ich bin ein normaler Typ.“, sagt Lips nach einem Auftritt zu einem der wenigen Fans, die zu dem Konzert aufgetaucht sind. Aus dem Mund des Mitte Fünfzigjährigen ist es keine hohle Phrase. Der verheiratete Familienvater Steve Lips schlägt sich mit einer monotonen Arbeit in einem Restaurantbetrieb durch. Robb Reiner hat sich in einem Einfamilienhaus niedergelassen. Beide leben in einfachen Verhältnissen in ihrem Heimatland Kanada. Doch nach der Musik ist für die beiden Altrocker vor der Musik. Nicht nur deshalb passt das Ausrufezeichen, welches in Filmtiteln meist protzig klingt, auf die authentische Musik-Dokumentation. Gervasi begleitet Lips und Reiner auf ihrer mühsamen Suche nach einem Weg zu neuen Erfolgen. Er lauscht den frustrierenden Telefonaten mit längst nicht mehr interessierten Musikproduzenten, welche sich einst um Anvils Alben gerissen hätten, und begleitet sie in einem holprigen Wohnwagen auf einer ebenso holprigen Europatournee.

Nichteinmal neunzig Minuten währt „The Story of Anvil“. Dennoch verlässt man den Saal gerührt und mitgerissen, wenn nicht von der Musik der Metal-Rocker, dann von ihrem Enthusiasmus. „Wie viel Hingabe kann man einer Band noch widmen?“, fragt Reiner. Eine rethorische Frage. In die Band und ihre Musik stecken er und sein bester Freund Lips alles: Kraft, Zeit, Geld. Dreißig Jahre ihres Lebens. „Anvil!“ begleitet seine Titelhelden in dem alten Campingwagen, in halb leere Diskotheken und auf einen Bahnhof, wo sie wenige Minuten zu spät ankommen. Der Zug ist abgefahren - in mehrerer Hinsicht. „Manchmal gehen Dinge schief.“, räsoniert Lips. „Diesmal ging alles schief.“ Die Tour endet in einem Desaster. Anvil machen weiter. „Die Geschichte einer Freundschaft“ lautet der deutsche Untertitel. Einer der seltenen Fälle, dass ein geänderter Titel ebenso treffend ist wie der ursprüngliche. Lips und Reiner streiten, gehen sich wortwörtlich an den Kragen und versöhnen sich wieder. Einmal kommen Lips vor Rührung über die Innigkeit der Freundschaft die Tränen. Es ist kein sentimentaler Moment, den gealterten Rocker weinen zu sehen, sondern ein menschlicher.


Ein beiläufiger Kommentar erweist sich als prophetisch für die Band. Die japanischen Fans würden sich freuen, wenn „Anvil“ kämen, sagt ein asiatischer Anhänger, dem Lips in Kanada begegnet. Als seine Band endgültig am Ende scheint, erinnert der Rocker sich an den Wunsch. Schreit Lips schließlich das fast zur Floskel verkommene „I love You!“ zum jubelnden Publikum, glaubt man ihm die Worte.


„Vielleicht sind sie nicht die hübscheste Band.“, sagt ein Radiomoderator über „Anvil“. Aber sie lieben, was sie tun. Die ersten beiden Alben der Heavy-Metal-Band bleiben moderne Klassiker des sogenannten Trash Metal: „Hard 'n Heavy“, „Metal on Metal“. In dessen gleichnamigen Titelsong heißt es „Keep on rocking, keep on rocking“. „Anvil“ taten dies und tun es immer noch. Mit den Worten Lips: „Das ist wahre Hingabe.“

And the band played on.

von Lida Bach



Regie: Sacha Gervasi | Kanada, USA, 2008

Länge: 80 min | FSK: ab 6 | Buch: Sacha Gervasi | Kamera: Chsritopher Soos | Musik: David Norland | Schnitt: Andrew Dickler, Jeff Renfroe | Produktion: Rebecca Yeldham | Mit:Steve „Lips“ Kudlow, Robb Reiner, G5, Ivan Hurt, Chis Tsangaides