American Gangster


Handlung

Frank Lucas arbeitet 1968 in Harlem für den Chef einer Drogenorganisation als Fahrer. Als sein Boss stirbt, steigt Frank in der Hierarchie auf und übernimmt die Geschäfte des Verstorbenen. Statt das Heroin über Zwischenhändler zu beziehen, reist er selbst nach Vietnam und bezieht den Stoff direkt vor Ort, welchen er über US-amerikanische Militärflugzeuge in die USA schmuggelt. Durch diesen Handel ist es ihm möglich, die Droge von besserer Qualität für einen niedrigeren Preis zu verkaufen. Das ruft nicht nur Feinde unter den anderen Drogenhändlern auf den Plan, sondern auch den Polizisten Richie Roberts, der das Drogendezernat von New Jersey leitet, und der beginnt, Franks Spur aufzunehmen. Doch Richie Roberts muss erkennen, dass nicht nur Kriminelle aus New Jersey, sondern auch die Polizisten aus den Spezialeinheiten in die Drogengeschäfte verwickelt sind.

Meinung

„American Gangster“ kommt mit aufwendiger Ausstattung daher, die mit Blick für Details ein glaubhaftes Milieu des Polizisten Richie Roberts und New Jerseys zeichnet. Die eingesetzten Zeitlupen, die ästhetischen Bilder und die groovige Musikuntermalung erinnern immer wieder an einen Musik-Clip und verherrlichen dadurch das Leben, die Armut und auch den Drogenhandel in diesem Viertel. Mit dem schwarzen Drogenhändler Frank und dem ehrgeizigen Polizisten Richie stehen sich zwei willensstarke Charaktere gegenüber. Während Frank viel Wert auf Stil und seine große Familie legt, sehen wir Richie verschwitzt und in Schlabberklamotten, der von seiner Frau und seinem Sohn getrennt lebt. Beide legen Wert auf Ehrlichkeit und Anstand, jeder nach seinen eigenen, persönlichen Maßstäben, wobei der Film die häufig gleich scheinenden Werte der beiden geschickt gegeneinander montiert. Richies Charakter verdeutlicht uns Regisseur Ridley Scott immer wieder mit Brüchen und persönlichen Zwiespälten, lässt ihn auch kleine Rückschläge erleiden, was diese Figur insgesamt sympathisch macht.

Dagegen wird der Charakter von Hauptfigur Frank nur sehr eindimensional gezeigt, seine Vorhaben, sein Handeln und wie er sich gibt, sind glatt, besitzen immer die gleiche Coolness. Ihm scheint es in seinem Leben hauptsächlich um Geld und Macht zu gehen. Es fehlt bei diesem Charakter an inneren Kämpfen, an persönlichen Veränderungen, so dass wir die Figur an sich interessant finden könnten. Tatsächlich scheint sie nur als Alibi zu dienen, die wahre Geschichte des unglaublichen Drogenhandels von Vietnam in die USA erzählen zu können. Und auch wenn im Vergleich zu anderen Hollywood-Produktionen mit ähnlicher Thematik der Schwerpunkt von reiner Action auf die glaubwürdige Zeichnung der Charaktere und des Milieus gelegt wurde, scheint dieser Anspruch doch bei der der Figur des Franks zurückzutreten. Interessanter als das Verhältnis Polizist und Verbrecher ist in diesem Film das Verhältnis Polizist zu Polizist. So ist Richie in seiner anfänglichen Einheit von korrupten Kollegen umgeben, die ihn als einen Unbestechlichen meiden.


Besonders gelungen in dem Film ist die Wendung gegen Ende. So stehen nun nicht nur die Drogenhändler vor Gericht, sondern auch die korrupten Polizisten, insgesamt drei Viertel der Anti-Drogen-Spezialeinheit des New York City Police Departments.


Viel mehr American Cop.

von Tora Stern



Frank Lucas: Denzel Washington

Richie Roberts: Russell Crowe

Regie: Ridley Scott | USA, 2007

Länge: 157 min | FSK: ab 16 | Buch: Steven Zaillian | Kamera: Harris Savides | Ton: Christopher Assells | Szenenbild: Nicholas Lundy | Schnitt: Pietro Scalia | Musik: Marc Streitenfeld | Produktion: Universal Pictures, Imagine Entertainment, Relativity Media, Scott Free Productions