Ajami
Handlung
Über Ajami hängt der Schatten der Gewalt. Das Zusammenleben von Moslems und Juden in dem Vorort von Jaffa ist geprägt durch den kriegerischen Konflikt in der Region. In Ajami wächst der dreizehnjährige Nasri mit seinem Bruder Omar auf. Als der Nachbarsjunge vor ihrem Haus erschossen wird, bricht die zerstörerische Wirkung des Krieges unmittelbar in den Alltag von Nasris Familie. Der Mordanschlag galt Omar – Blutrache dafür, dass sein Onkel ein Mitglied einer anderen Familie bei dessen Erpressungsversuch schwer verwundete. Die Erlebnisse Nasris machen eine von fünf Geschichten in „Ajami“ aus, die sich lose zu einem Bild einer Region im Griff der Gewalt zusammen fügen. Der palästinensische Flüchtling Malek versucht, das Geld für die Krankenhausbehandlung seiner Mutter zusammen zu bekommen. Bei seiner illegalen Arbeit in Israel kommt er in Kontakt mit dem leichtlebigen Binj. Dessen Freunden missfällt, dass der junge Palästinenser mit seiner jüdischen Verlobten zusammen ziehen möchte. Der Familienvater und Polizist Dando schließlich sinnt auf Rache für den Tod seines Bruders, dessen Tragik die Familie zu zerstören droht.
Meinung
„Ajami“ stimmt traurig - leider aus den falschen Gründen. Gerne würde man Gutes schreiben über das von einer israelisch-palästinensischen Crew produzierte Werk. So bedeutsam ist die filmische Thematik, so sehr ist das israelische Drama um eine ausgeglichene Darstellung bemüht. Der Schauplatz im arabischen Viertel Jaffa in Tel Aviv scheint ideal für eine anspruchsvolle Studie über die seit Jahrzehnten andauernden Auseinandersetzungen. Seinen eigenen Ansprüchen jedoch ist „Ajami“ nicht gewachsen. Die unterschiedlichen Handlungsfäden verbinden sich nicht zu einem schlüssigen Ganzen. Möglichst vielschichtig sollen die verschiedenen Perspektiven die Darstellung des Zusammenlebens machen. Stattdessen zerfällt die Erzählung ins Episodische. Die filmische Lehre, dass ein anderer Standpunkt eine andere Sichtweise mit sich bringt, ist weder neu noch sonderlich tiefgründig. Die Auszeichnungen, welche „Ajami“ bei den Ophir Awards, dem bedeutendesten israelischen Filmpreis, erhielt, scheinen mehr der guten Intentionen der Filmemacher denn der künstlerischen Qualität ihres Werks geschuldet.
Die Kontroverse um den politischen Konflikt, die brennende Aktualität der filmischen Thematik genügt nicht, um die Schwächen des Dramas auszugleichen. Zu unausgegoren ist die Dramaturgie, um zu fesseln. Trotz ihrer Tragik lassen die Einzelschicksale unberührt. Inszenatorisch erinnert „Ajami“ mehr an eine Dokumentation als an einen Spielfilm. In seinen schwächsten Momenten wirkt er amateurhaft. Neben den inhaltlichen Mängeln erweist sich die nachlässige Führung der Darsteller durch das Regie-Duo Shani und Copti als größte Schwäche. Dass es sich um Laien handelt, zeichnet sich in den schauspielerischen Leistungen schmerzlich deutlich ab. Profil verleihen können die Akteure den eher oberflächlich angelegten Charakteren nicht. Interessante visuelle Momente, wie die Comicbilder, in denen Nasri die Ereignisse um ihn herum verarbeitet, arbeitet „Ajami“ nicht weiter aus. Die Charaktere dienen vorrangig dazu, unterschiedliche Positionen innerhalb des Konflikts darzustellen. Ihren individuellen Persönlichkeiten lässt „Ajami“ kaum Raum. Als Fernsehspiel wurde die Produktion von ZDF und Arte ursprünglich konzipiert. Betrachtet man es als solches, sticht es aus der Masse der beliebigen TV-Filme durch seine Ernsthaftigkeit positiv hervor. Für die große Leinwand fehlt es „Ajami“ hingegen an Format.
Im Schatten der Gewalt.
Nasri: Fouad Habash
Omar: Shahir Kabaha
Malek: Ibrahim Frege
Binj: Scandar Copti
Dando: Eran Naim
Regie: Scander Copti | Deutschland, Israel, 2009
Länge: 120 min | FSK: ab 12 | Buch: Scandar Copti, Yaron Shani | Kamera: Boaz Yehonatan Yaacov | Schnitt: Scandar Copti, Yaron Shani | Musik: Rabiah Buchari | Produktion: Thanassis Karathanos, Mosh Danon

