13 Semester
Handlung
Aus der Enge des Dorflebens flüchtet Momo zum Wirtschafts-mathematikstudium in die große Stadt. “Das ist Darmstadt!”, wird dem Landjungen an den Kopf geknallt, als er sich bei der Zimmersuche in der Kleinstadt zu lahm anstellt. Sein Kumpel Dirk will spontan nicht mehr mit ihm zusammenziehen. So macht Momo mit Bernd eine WG auf. In der Uni verknallt er sich in Kommilitonin Kerstin. Die ist vergeben, aber im Laufe der “13 Semester” ändert sich daran einiges. Partys sind während der “13 Semester” fester Bestandteil des Studentenlebens. Vor lauter Feiern und Spontanurlaub schmeißt Momos Lerngruppe ihn raus. Nur mit Hilfe des indischen Studenten Aswin besteht er das Vordiplom. Momo entfernt sich von Dirk und wird der beste Freund von Bernd, himmelt Kerstin an, kriegt Kerstin, streitet sich mit Kerstin, streitet sich mit Bernd, verträgt sich wieder mit Dirk, trifft wieder Kerstin. Dazwischen gibt es ein paar witzige Studentenfeiern, Lernstress und Yoga-Übungen.
Meinung
Wirtschaftsmathematik. Darmstadt. Wer nach den beiden Schlagwörtern vor Spannung den Atem anhält und ob deren Witzigkeit schon vor sich hin kichert, wird “13 Semester” für einen erfrischenden Jugendfilm mit Humor und Dramatik halten. Alle anderen empfinden Momos Studentenleben an der Universität Darmstadt so aufregend wie eine Doppelstunde Quantenanalyse. Der High-School-Film ist in den USA ein festes Genre. Warum gibt es hierzulande so wenig Studiumsfilme? Die Frage stellte sich Regisseur Frieder Witte und siedelt sein Langspielfilmdebüt “13 Semester” an der Universität an. Dass seine Freunde den verplanten Hauptcharakter Moritz „Momo“ nennen, passt zu der Kinderbuchhandlung des Films. Die Unglückszahl trägt “13 Semester” im Titel. Wer verzweifelt auf das Ende einer Lehrstunde wartet, weiß wie lange sich 45 Minuten hinziehen können. Mit 101 Minuten Filmlänge fühlen sich die einzeln als Filmkapitel abgezählten “13 Semester” wie die viereinhalb Jahre an, die Momo an der Universität verbringt. Eines der “13 Semester” muss er wiederholen. Der ganze Mist noch mal, denkt nicht nur der Langzeitstudent.
Wenig passiert in den “13 Semestern”, wichtiges überhaupt nicht. So unverbraucht und sympathisch die jungen Darsteller sind, so nebensächlich und belanglos wirkt deren Studentenzeit. Die Wohnungseinrichtung verändert sich, die sich in einer Endlosschleife drehenden Figuren nicht. Ohne es zu wollen, lehrt Wittes uninspirierte Mischung aus jungem deutschen Kino und High-School-Komödie, wie öde Studieren sein kann. Ernsthafte Probleme existieren weder in Darmstadt, noch in Australien, wo Momo ein sonniges Halbjahr verbringt. Nichts mit ‘Arm wie ein Student‘. Die Vokabel Wirtschaftskrise kennt man in Darmstadt nicht. Hier wird in Clubs gefeiert, in den Urlaub geflogen und Dorade gespeist. Pessimistisch gesehen zeigt “13 Semester” die Universität als den Hort begüteter Oberschichtskinder, die sie im Begriff zu werden ist. Sprengen Reisen, feine Küche und riskante Investitionen einmal das Budget der Studentenclique, wird ein buddhistischer Mönch als Untermieter einquartiert. Zukunftsangst oder Familienprobleme kennen die Studenten nicht. Echte Dramatik können etwas Beziehungskrach und WG-Zoff nicht erzeugen. Der Humor beschränkt sich auf ein paar Pennälerwitze: Wer sitzt da in unserer Badewanne und warum hängt immer noch die Türklingel schief?
Doch auf der Leinwand wird nicht Kunst, sondern Wirtschaftsmathematik studiert. Mit einem im Ausland erfolgreichen Produkt lässt sich lukrativ ein neuer Markt erschließen, lehrt “13 Semester”. Darum gibt es jetzt High-School-Filme nach hiesigem Schema. Vielleicht gibt es so wenig deutsche High-School-Filme, weil es in Deutschland wenig High-Schools gibt. High-School und College sind in den USA ein Paralleluniversum, in dem Serienmörder ihr Unwesen treiben, Kämpfe auf Leben und Tod gefochten werden und Geheimbünde agieren. Eine gesetzlose Zeit zwischen Schulalltag und Familienleben. Hierzulande haut das wilde Studentenleben keinen vom Hocker. Als Aufhänger für einen Spielfilm mögen Lebenskonzepte wie „FBI-Agent“, „Serienmörder“ oder „Terrorist“ genügen. Bei alltäglichen Charakteren wie Studenten braucht es interessante Figuren.
Filmisch fällt “13 Semester” durch.
Momo: Max Riemelt
Dirk: Robert Gwisdek
Bernd: Alexander Fehling
Kerstin: Claudia Eisinger
Aswin: Ahmed Shah
Regie: Frieder Witte | Deutschland, 2009
Länge: 101 min | FSK: o.A. | Buch: Frieder Witte | Kamera: Christian Rein | Musik: Oliver Thieder, Tobias Jundt | Schnitt: Marty Schenk | Produktion: Jacob Claussen, Uli Putz, Thomas Wöbke

